Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
302 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
gesagt, dals des Kindes erster geistiger Inhalt eine gewisse dunkle
Vorstellung seines Körpers ist. Diese Vorstellung des körper-
lichen Ichs gewinnt dadurch langsam aber beständig an Schärfe
und Ausdehnung, dals im wachen Zustande fortwährend auf der
Netzhaut Bilder der hervorragenden Körperteile erzeugt und durch,
von der ganzen Körperoberfläche und den inneren Organen aus-
gehende Reize Empfindungen ausgelöst werden, welche ein immer
getreueres Bild des eigenen Leibes hervorrufen, indem die dis-
kreten Einzelempfindungen nach und nach infolge der schon mehr-
fach berührten unbewufsten synthetischen Thätigkeit des Geistes zu
einer einheitlichen Vorstellung sich zusammenschliefsen. Jedoch
geht es damit sehr langsam vorwärts; noch am Beginn des zweiten
Lebensjahres ist die Bildung des körperlichen Ichs nicht vollendet:
sind doch um diese Zeit, wie zuverlässige Beobachter, u. a. Roth,
bezeugen, Gesicht und Kopf noch immer die Zielscheibe der Hände
und der Fäustchen des Kindes, als ob sie ihm gar nicht gehörten,
weil es eben, wie Roth treffend bemerkt, die Grenzen seines Kör-
pers und vornehmlich Kopf und Gesicht, welche es ja nicht sehen
kann, noch nicht kennen gelernt hat. Erst im Laufe, ja oft genug
erst gegen Ende des zweiten Jahres gelangt das körperliche Ich
zu einer gewissen, wenngleich noch immer ziemlich rohen Voll-
endung. Der Durchbruch des geistigen Ich-Gedankens,
dessen, was man als Selbstbewufstsein bezeichnet, fällt natur-
gemäfs in eine noch spätere Zeit. Gewöhnlich nimmt man an,
dafs dieser Durchbruch erfolge, wenn das Kind „ich" zu sagen be-
ginnt. Das ist jedoch durchaus nicht der Fall; das Kind spricht,
wenn es „ich" zu sagen anfängt, einfach unwillkürlich, unbewufst
nach, was und wie es seine Umgebung sprechen hört. Erst durch
grofse Aufmerksamkeit und ganz allmählich kommt es dahinter
zu merken, dafs ältere Personen, wenn sie von sich selbst sprechen,
„ich" sagen. Nun gebraucht das Kind das Wort, wenn es von sich
selbst redet, mit Bewufstsein, aber immer noch ohne recht zu
wissen, welche tiefe Bedeutung dies Wort besitzt. Dies bewufste
Ich-Sagen tritt im günstigsten Falle im dritten, gewöhnlich sogar
erst im vierten Lebensjahre ein; aber das Selbstbewufstsein als
Bewufstsein der geistigen Vorgänge in uns tritt erst viel später
ein, wenn die intellektuelle Bildung bereits eine gewisse Höhe
erreicht hat, etwa im elften oder zwölften Lebensjahre.
Im Kindesalter ist dasselbe überhaupt nicht ganz erreichbar, ja selbst
viele Erwachsene kommen nicht dazu. Volles Selbstbewufstsein
erlangt nur der hochgebildete Erwachsene.