Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 299
diese Einzelempfindungen zur Einheit des Objekts zusammen-
gefal'st werden". Dabei ist aber zu bemerken, dafs sich ein
solcher „Sinnesschlufs" von dem gewöhnlichen Denkschlufs da-
durch unterscheidet, dafs hier nicht erst aus dem Gedächtnis ein
durch Induktion gewonnener Obersatz reproduziert zu werden
braucht, sondern dafs sich der Schlufs aus den Einzelempfindungen
als den Prämissen ganz „von selbst" darbietet: „er liegt eben in
der Entwickelungsgeschichte unserer Sinne begründet". Wieweit,
um noch dieses Problem hier wenigstens im Vorbeigehen zu
streifen, die Bilder, welche wir von den Gegenständen aufser uns
erwerben, den Dingen „an sich" entsprechen, das ist eine Frage,
die vermutlich niemals in vollkommen befriedigender Weise wird
gelöst werden. Jedoch sind wir wohl dazu berechtigt, auf einen
hohen Grad der Kongruenz zwischen der Aufsenwelt und
unseren Bildern derselben zu schliefsen, da ja unsere Sinne in
und mit der gegebenen Weltwirklichkeit „grofs" geworden sind
und mit ihr in den mannigfachsten und innigsten Wechsel-
beziehungen gestanden haben. Und „nur, wenn die Kongruenz
möglichst grofs war, konnte Vorteil daraus erwachsen, und nur
diejenigen Variationen, die diese Kongruenz fördern halfen, hatten
Chancen, sich zu erhalten und zu vererben". Aufser den soeben
besprochenen, mit der Entwickelung der Sinnesfunktionen zu-
sammenhängenden allgemeinen geistigen Anlagen kommen ferner
noch gewisse, allen Menschen gemeinsame charakterologische
Anlagen in Betracht, die mit dem Gefühlsleben in engster Ver-
bindung stehenden egoistischen und sozialen Triebe, deren
Entwickelung ebenfalls bereits auf den untersten Stufen des Tier-
reichs beginnt.
Was die besonderen Anlagen betrifft, so haben diese
natürlicherweise eine sehr viel kürzere „Geschichte". Als fertige
Anlagen beruhen sie auf einer Steigerung der Hirnfunktionen
oder Prädispositionen zu abgekürzten Ideenassoziationen und
zwar nach den verschiedensten Richtungen hin, je nach Art und
Beschaffenheit der Anlage. Anatomisch betrachtet liegen ihnen
partielle Ungleichheiten bestimmter Rindenteile, Hemmungs- oder
excessive Bildungen einzelner Zellengruppen zu Grunde. Hinsicht-
lich der charakterologischen Anlagen im besonderen ist
zu bemerken, dafs es sich dabei um molekulare Prädispositionen
des Hirns handelt, derart, dafs bestimmte Reaktionen auf gewisse
Motive hin eintreten, dadurch bedingt, dafs gewisse sensorische
Zentren mit gewissen motorischen Zentren in intimer histologischer,