Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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294 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
der Umstand, dafs das Gesicht des Weibes wie des Kindes
aufserordentlich beweglich, weit beweglicher jedenfalls als das
des Mannes ist.
Bezüglich der intellektuellen Veranlagung des Weibes
bemerke ich, dafs auch hier eine Parallele zwischen Frauen und
Kindern besteht. Auf intellektuellem Gebiete zeichnet sich das
Weib wie das Kind durch eine grofse geistige Beweglich-
keit aus; man kann geradezu sagen, dafs Frauen und Kinder
einen lebendigeren Geist haben als Männer. Buckle weist u. a. auf
die Thatsache hin, dafs die Frauen der niederen Klassen eine viel
gröfsere Schnelligkeit der Auffassung und des Verständ-
nisses besitzen als die Männer, so dafs Reisende in einem fremden
Lande, dessen Sprache sie nicht kennen, sich immer leichter mit
Frauen verständigen als mit Männern. Auch sind die Frauen
entschieden sprachgewandter als die Männer. Ssikorski hat
in seinem Buche „Über das Stottern" nachgewiesen, dals
Männer dreimal so häufig an diesem Übel leiden als Frauen. Die
grofse Zungengeläufigkeit der Frauen bestätigen ja zudem auch
die Sprichwörter vieler Nationen. Nach Buekles Angabe hat
Currie, ein ausgezeichneter Arzt, immer behauptet, er bekäme,
wenn ein Arbeiterpaar sich bei ihm Rat hole, stets von der Frau
die klarste und präziseste Auskunft, während der Mann zu einer
solchen Berichterstattung zu schwerfällig sei. Es ist das eine
Erfahrung, welche auch, nach Ellis' Mitteilung, Pariser Ärzte
häufig machen, desgleichen, nach Delaunay, Pariser Advokaten,
welche durchaus der Ansicht seien, dafs Frauen besser Auskunft
geben können als Männer, und daher zu den Männern des Arbeiter-
standes zu sagen pflegen: „Schicken Sie mir Ihre Frau!"
Wie die Frau gleich dem Kinde geistig beweglicher als dér
Mann, so ist sie wie jenes auch schmiegsamer als dieser.
Wir können getrost Burdach zustimmen, wenn er sagt: „Die
Frauen acceptieren die Wahrheit, wo sie sie finden, während die
Männer das Bedürfnis haben, Wahrheit zu schaffen". Man kann
das auch so ausdrücken, dafs man sagt: bei dem Weibe scheint,
ganz wie beim Kinde, das abstrakte Denken sich gewöhnlich durch
eine gewisse Empfänglichkeit und Gelehrigkeit auszu-
zeichnen; der Mann, in seinem Bestreben, selbst Wahrheit zu
schaffen, verrennt sich oft in Irrtümer und ist von denselben
schwer wieder zurück- und abzubringen, er ist also schwer
zugänglich gegen Belehrung von anderer Seite her. Wir beob-
achten das ja besonders häufig bei Gelehrten. Ein Angehöriger