Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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284 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Um uns die Saclie nach Kräften zu erleichtern, wird es gut
sein, wenn wir vorerst unter den Erziehern eine Scheidung vor-
nehmen. Es ist ja ganz sicher, dafs wir zwei grofse Gruppen
von Erziehern unterscheiden müssen, nämlich 1. solche, welche mit
Erziehung sich beschäftigen, um dadurch ihr Brot zu verdienen:
diese bezeichnen wir als berufsmäfsige Erzieher; 2. alle an-
deren Menschen stehen diesen gegenüber als gelegentliche Er-
zieher. Bei jenen können wir weiterhin die Hofmeister-, die
Anstalts- und die Schulerzieher unterscheiden; bei diesen
sind vornehmlich die Eltern, die Lehrherren und die Dienst-
herrschaften zu berücksichtigen als solche, welche unmittel-
bar für erziehliche Thätigkeit in Betracht kommen. Ihnen ge-
sellen sich alle die anderen dann als mittelbare gelegentliche
Erzieher hinzu. Fassen wir zunächst die berufsmäfsigen Träger
der Erziehung ins Auge, so sind es zwei E'ragen, welche sich hier
uns aufdrängen: 1. auf Grund welcher Veranlagung kann
ein Mensch, Mann oder Weib, sich als zur Ergreifung des Er-
zieher-Berufes geeignet ansehen? und 2. auf welche Weise
sind die berufsmäfsigen Erzieher für ihren Beruf vorzubereiten?
Was die erste Frage betrifft, so ist Folgendes zu sagen. Als
Kriterium dafür, ob jemand geeignet sei zum Berufe des Erziehers
oder nicht, kann einzig und allein der unmittelbare Trieb
und Drang zur Erzieherthätigkeit und ein besonders
lebhaftes Interesse für d eren Gegenstand, also die Liebe
zu Kindern, gelten. Vielleicht erscheint vielen diese Lösung
unzureichend; vielleicht denken manche an die in Lehrbüchern
der Pädagogik aufgezählten und in mehr oder weniger populärer
Weise dargestellten Einzelzüge. Mit solchen ist aber herzlich
wenig geholfen. Wenn da von „strenger Pflichttreue" und
„ernster Sittlichkeit", von „peinlicher Ehrenhaftigkeit" gesprochen
und überdies noch „Fähigkeit zu psychologischen Beobachtungen
und zu teleologischem Denken", endlich „heitere Gemütsverfassung"
und „Festigkeit mit Milde gepaart" verlangt werden, so ist das
alles viel zu allgemein. Es sind das ja Dinge, die ebensogut
f; für andere Berufe in Betracht kommen, z. B. für den des Arztes
jl oder den des Richters auch. Am besten thut man eben, ganz
und gar auf die Aufzählung besonderer Charakteristika zu ver-
zichten und, wie geschehen, zu sagen, dafs der Erzieher Liebe
zu Kindern und unmittelbaren Trieb und Drang zum Erzieher-
berufe haben müsse und zwar, füge ich hier noch hinzu, auf
Grund einer normalen geistig-leiblichen Kon-