Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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280 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
Endlich möchte ich hier noch, um der Ansicht der Herbar-
tianer, dafs das Gefühls- und Willensleben in der Weise mit dem
Vorstellungsleben verquickt sei, dafs von der Bildung des letzteren
ohne weitei-es auch die des ersteren abhänge, entgegenzutreten,
Folgendes bemerken. Zunächst weise ich auf das hin, was ich
im ersten Teil, als ich von der Ableitung der Erziehungs-Funk-
tionen aus der menschlichen Natur sprach, schon ausgeführt habe,
dals nämlich unser Seelenleben, im besonderen unser Fühlen und
Wollen durchaus körperlich-organisch bedingt ist; dafs bei dem
Zustandekommen von Willensakten die Gemütsbewegung, welche
die Rolle des Vermittlers zwischen dem organischen Trieb- und
dem animalischen Willensleben und zwischen diesem und dem Vor-
stellen, das den Willen rationalisiert, spielt, von grölster Wich-
tigkeit ist. Unser Wollen ist eben nicht eindeutig bestimmt,
sondern, ich wiederhole es, ist ein Produkt verschiedener
Faktoren, unter denen der Verstand leider der am wenigsten
bedeutsame, keinesfalls der allein ausschlaggebende ist: dieses Vor-
recht nehmen durchaus die Triebe und Gefühle für sich in An-
spruch. Die Triebe bestimmen die Richtung unseres WoUens und
Handelns, und die Gefühle sind es, welche unser Wollen und Handeln
motivieren, indem all unser Thun, nach den unserer Natur nun
einmal innewohnenden Gesetzen, darauf gerichtet ist, uns Lust-
gefühle zu verschaffen und Unlustgefühle von uns fern-
zuhalten und abzuwehren. Auch unsere mit den durch die
Gewöhnung gebändigten und in die rechte Bahn geleiteten Trieben
in Harmonie befindlichen Grundsätze, welche wir der Belehrung
verdanken, haben Motivationskraft nur, sofern sie gefühlserregend
wirken. Das Handeln aus blofsem Grundsatz, welches ja bekannt-
lich Kant verlangt, ist psychologisch unmöglich: wir können einer
Maxime gemäfs nur dann handeln, wenn solches Thun uns Be-
friedigung gewährt, also Lustgefühle verschafft. Ferner ist noch
darauf aufmerksam zu machen, dafs unser Wollen ganz allgemeinhin
von unserer natürlichen Energie oder Lebenskraft, von unserer
vitalen Kapazität abhängig, dadurch in gewisser Hinsicht be-
dingt ist: jedenfalls besteht zwischen deren Stärke und
der Intensität unseres Wollens eine direkte Proportion.
Dafs darauf die Bildung des Vorstellens gar keinen Einflufs hat,
das leuchtet ganz von selbst ein. Endlich ist zu beachten, dafs ja
die Erfahrung lehrt, dafs sich drei Typen der psychischen Be-
gabung unterscheiden lassen, nämlich Normalität, Über- und
Unternor malität, Durchschnitts-, höhere und niedere Begabung