Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 269
wissen wollen, auf dieselbe mit geringschätzigem Achselzucken
herabblicken und die Erzieher, welche dieselbe hochhalten, ob
dieser ihrer Verblendung aus Herzens Grunde bedauern. Dem
Schlagworte vom erziehenden Unterrichte zufolge soll daher die
Hauptaufgabe der Schule die Charakter-, die Gemütsbildung sein.
Wie überall, in der Wissenschaft und in der Kunst, in der
Politik und im Leben überhaupt, Schlagwörter eine grofse Rolle
spielen, so ist dies eben auch bezüglich der Pädagogik der
Fall. Nun kann man ja damit recht wohl einverstanden sein,
wenn hinter dem wuchtig klingenden, einen reichen Inhalt an-
deutenden Schlagworte auch wirklich ein solcher steckt. Leider
ist dem aber nicht immer so; nur gar zu oft entpuppen sich
Schlagwörter als Schalen ohne Kerne: zu diesen gehört
das vom erziehenden Unterrichte. Von Herbart, der keine
Erziehung ohne Unterricht und keinen Unterricht ohne Erziehung
anerkennt; der da sagt: „Der Wert des Menschen liegt zwar
nicht im Wissen sondern im Wollen. Aber es giebt kein selb-
ständiges Begehrungsvermögen, sondern das Wollen wurzelt im
Gedankenkreise"; der daher den Satz aufstellt: „Der letzte End-
zweck des Unterrichtes liegt in dem Begriffe der Tugend", und von
Ziller, bei dem wir lesen: „Der Unterricht ist die stärkste päda-
gogische Kraft. Denn soll durch die Erziehung zur Tugend hin-
geleitet werden, so mufs bei ihr der Unterricht überwiegen,
d. h. sie mufs hauptsächlich auf vermitteltem Wege, durch
Büdung des Gedankenkreises geschehen, weil sich dadurch allein
sichere und bleibende Resultate erzielen lassen, weil sich dadurch
allein bewirken läfst, dafs das Herz fest werde. Ja, die ganze
Charakterbildung mufs hauptsächlich durch den Unterricht erreicht
werden, da Beharrlichkeit und Festigkeit die wesentlichsten Eigen-
schaften des Charakters sind und diese, wie alles Feste und Blei-
bende im Geiste, sich nur durch Bildung des Gedankenkreises her-
vorbringen lassen" — von Herbart und Ziller also bis auf unsere
Tage wird allenthalben, in Wort und Schrift, vom erziehenden
Unterrichte viel Aufhebens gemacht. Sehr mit Unrecht und sehr
zum Schaden der gedeihlichen allseitigen Entwickelung der Päda-
gogik. Was diesen letzten Vorwurf zunächst betrifft, so hat das
verhängnisvolle Schlagwort vom erziehenden Unterrichte, das all-
mählich zum Wahlspruche der neueren Pädagogik überhaupt
geworden ist, die Didaktik ungebührlich in den Vorder-
grund des Interesses gerückt, ja geradezu zum Mittelpunkte
der pädagogischen Reflexionen gemacht und den Blick für das