Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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264 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
andere Autoritäten als Vater und Mutter anzuerkennen. Durch
die Schule wird, kann man ganz kurz sagen, das Kind soziali-
siert, in noch höherem Grade, als dies in der Familie schon der
Fall ist. Öffnet das Leben in der Familie dem Kinde, auch ab-
gesehen von jeder bewufsten, absichtlichen Beeinflussung, schon
an und für sich die Augen für die Bedeutung des Gemeinschafts-
lebens, zeigt das Familienleben bereits ihm klärlich, dafs, wie
Vater und Mutter, Bruder und Schwester, es selbst ebenfalls nur
als dienendes Glied eines gröfseren Ganzen in Betracht
kommt; lernt es da sich schon fügen und einordnen: so erst recht
bei dem Eintritt in die aufserordentUch viel straffere Organisation
der Schule. Hier ist alles eine homogene Masse, ob reich
oder arm, ob vornehm oder gering: hier hat der eine im anderen
nur den Mitschüler, der den gleichen Weg geht, auf das nämliche
Ziel hinstrebt, zu sehen — und die ganze bunt zusammenge-
würfelte Gesellschaft in LTnterordnung unter die Person des Leh-
rers, des Führers, der den Weg zeigt, den sie alle zu wandern
haben. Der eine dem andern Sporn und Stachel beim Fortschreiten,
Trost und Hilfe beim Zurückbleiben. Insofern hat die Schule
allerdings einen grofsen Charakter bildenden Einflufs, desgleichen
darin, dafs sie das Kind an ernste Arbeit gewöhnt. Und
auch sonst noch, bei gewissen Anlässen, ist die Hervorbringung
mehr oder weniger starker Gemütseindrücke in ihr keineswegs aus-
geschlossen. Aber das alles sind doch nur Nebenwirkungen des
Schulbetriebes, Wirkungen, welche entweder das Schulleben ganz
von selbst mit sich bringt, wegen deren also keine besonderen Ver-
anstaltungen erforderlich sind, oder die hervorzubringen die Auf-
rechterhaltung der Ordnung dieses eigentümlichen Gemeinschafts-
lebens nötig macht. Die Hauptaufgabe der Schule ist und
bleibt doch die: zu belehren und durch die Belehrung den
Intellekt des Zöglings zu bilden.
Da kommen jedoch wieder andere und sagen: ja, das mag
wohl alles so sein; die direkte Handhabung der auf Charakter-
bildung abzielenden Zucht ist wohl in der Schule die Nebensache.
Aber Charakter bildend mufs sie dennoch wirken und zwar durch
ihre Hauptfunktion, durch die Belehrung, durch den Unterricht.
Der Unterricht, der nicht erziehlich ist, der nicht das Gemüts-
leben des Schülers, nicht seinen Charakter beeinflufst, nicht auf
seinen Willen wirkt, ist verwerflich. Die Verteidiger dieser An-
sicht sind jedoch keineswegs in allen Punkten miteinander einig;
ja, man kann zwei Parteien unterscheiden, welche sich sogar