Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 263
Wollen wir doch nicht undankbar sein. Wollen wir uns doch
nicht absichtlich gegen die Anerkennung der immensen Bedeutung
des Intellektes verschliefsen. Was wären wir denn ohne ihn;
was vermöchten wir denn ohne ihn! Ein Mensch von Charakter,
aber schwacher intellektueller Beanlagung nützt der Gesellschaft
nur wenig; dasselbe ist allerdings auch der Fall bei einem intelli-
genten Schurken, obgleich man berechtigt ist zu sagen, dafs, wenn
wir den Nutzen, den er und den jener stiftet, miteinander ver-
gleichen, derjenige des intelligenten Schurken häufig der gröfsere
ist. Nur handelt es sich dabei um einen Nutzen in negativem
Sinne, indem der schlechte Mensch die Gesellschaft aufrüttelt und
sie zu Abwehrmafsregeln veranlafst, unter Umständen sogar zu
sozialen Reformen hindrängt: man denke an gegen den Wucher,
gegen den unlauteren Wettbewerb gerichtete Gesetze u. dgl. m.,
jedenfalls immer latente Intelligenz lebendig macht und zur Ent-
faltung bringt. Hingegen ist der intelligente und gleichzeitig sitt-
liche, charaktervolle Mensch derjenige, welcher wahrhaft wertvoll
für die Gesellschaft, von positivem Nutzen für das Gattungs-
leben ist. Daraus folgt zunächst, dafs Intelligenz und Charakter,
Gemüts- und Verstandesbildung gleich hoch zu schätzen sind, ferner
dafs, wenn man der Schule die Aufgabe der intellektuellen Bildung
zuweist, ihr eine sehr hohe Mission übertragen wird, an der sich
die Schulerzieher wahrlich genügen lassen können. Damit soll aber
nicht gesagt werden, dafs die Schule sich um die Zucht, um die
Charakterbildung gar nicht kümmern dürfe; ich habe ja schon
vorher mich im gegenteiligen Sinne ausgesprochen. Zudem ist eine
solche strenge Trennung der verschiedenen Erziehungs-
funktionen überhaupt nicht möglich. Wie das Kind z. B. im
Hause nicht blofs in sittlicher Hinsicht beeinflufst wird, sondern
auch mannigfache Belehrungen empfängt, so wird es in der Schule
nicht blofs unterrichtet, sondern in vielfacher Beziehung sittlich
gebildet. Die erwähnte Arbeitsteilung hat eben nur den Sinn,
dafs der Unterricht die Hauptfunktion der Schule, die Zucht die
Hauptfunktion des Hauses ist; dafs dieses hauptsächlich die
Versittlichung des Zöglings, jene vor allem sich seine in-
tellektuelle Ausbildung angelegen sein lassen mufs. Ganz
sicher wirkt die Schule auch auf den Charakter des Kindes ein und
zwar ganz so wie das Haus durch Gewöhnung. Ich erinnere nur
daran, dafs das Schulleben für das Kind die grofse Bedeutung hat,
dafs es allmählich sich in umfänglichere Lebenskreise hineingewöhnt.
Ferner muls sich in der Schule das Kind daran gewöhnen, noch