Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 29. Häusliche und öffentliche Erziehung. 255
Charakter desselben ist zumeist der Egoismus. Es giebt vor-
nehmlich zwei Arten von Hagestolzen, zwei Hagestolz-Typen: den
geizigen Junggesellen und den Lebemann, der sich alle Genüsse
verschafft. Ausnahmen kommen vor, dienen aber nur zur Be-
stätigung der Regel; denn sie sind ziemlich selten. Zudem ent-
behrt der Hagestolz eines normalen geschlechtlichen Lebens, und
das hat sehr oft die Zerrüttung der Gesundheit zur Folge, wie
die Erfahrung lehrt, da nur wenige in geschlechtlicher Beziehung
Selbstbeherrschung und Enthaltsamkeit üben, sich vielmehr mannig-
fache Ausschweifungen zu Schulden kommen lassen, ein Umstand,
der aufserdem auch noch sehr üble moralische Folgen nach sich zieht,
häufig zur allgemeinen Verlumpung und Verlotterung des Menschen
sehr wesentlich beiträgt. Ein geregeltes Familien- und Geschlechts-
leben ist die eigentliche Bedingung eines gesunden Lebens über-
haupt, das Wort „gesund" im weitesten, nicht blofs physischen
Sinne genommen. Das Verdienst des Christentums um die
Moralisierung der europäischen Völker beruht zum grofsen Teile
darauf, dafs es Reinheit der geschlechtlichen Verhältnisse mit
Entschiedenheit forderte. Dadurch trat es in schroffen Gegensatz
zu den Gepflogenheiten der antiken, eigentliches Familienleben
kaum kennenden Welt. Namentlich in Griechenland hatte man
ja sehr wenig Verständnis für ein sittlich reines geschlechtliches
Leben, was auf der, uns schon bekannten, untergeordneten Stellung,
welche hier die Frau nach orientalischem Vorbilde einnahm,
beruhte: sind doch bezeichnenderweise die griechischen Tugenden
fast nur Tugenden und Vollkommenheiten des Mannes. Besser
stand es allerdings in Rom, hier nahm die Frau nicht eigentlich
eine untergeordnete Stellung ein, und das Familienleben war ein
schönes, aber das letztere nur während der ersten Jahrhunderte
der Republik. Später, namentlich in der Kaiserzeit, geriet das
Familienleben in Verfall, und nunmehr überboten die Römer ihre
östlichen Nachbarn, was geschlechtliche Verirrungen betrifft, in
einer geradezu ungeheuerlichen Weise. Darauf muls man die-
jenigen hinweisen, welche das Heil der Zukunft von der Ver-
nichtung des Familienlebens erwarten, indem sie für die Anstalts-
erziehung schwärmen. Die Anstaltserziehung ist freilich in
vielen Fällen, man denke nur an Waisenkinder, die keine Ver-
wandte oder doch nicht solche haben, die noch mehr Sorgen und
Lasten auf sich nehmen können, unvermeidlich; aber sie ist eben
als ein unvermeidliches Übel anzusehen.
Man sagt, wie wir gesehen haben, dafs durch die Anstalts-