Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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252 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
das ganze Wohl und Wehe des betreffenden Individuums ab;
deren Beachtung oder Nichtbeachtung kann ihm selbst und der
Gesellschaft zum Segen oder Unsegen werden, es auf den rechten
oder den falschen Weg drängen. Die sorgfältigste Hofmeister-
oder Anstaltserziehung kann niemals einen völlig genügenden Er-
satz für die elterliche bieten, vermag den Mangel dieser niemals
gänzlich aufzuwiegen. Mit etwas Übertreibung allerdings sagt
Jean Paul in der „Levana", dafs man wohl Unterricht einem
fremden Kinde geben könne, dagegen Erziehung blofs dem eignen;
aber ein tiefer Wahrheitskern steckt ganz sicherlich darin. Und
gewiss können wir mit Habberton übereinstimmen, der in der
reizenden kleinen Geschichte „Andrer Leute Kinder" sich ge-
legentlich dahin äufsert: „Ich meine, dafs Kinder im allgemeinen
da bleiben sollen, wohin sie gehören: zu Hause unter den Augen der
Eltern", und dafs es ein Wahn sei, als ob irgendein menschliches
Wesen, sei es Freund oder Verwandter oder Bekannter, sich jemals
als Erzieher für andrer Leute Kinder nur entfernt so gut eignen
könne, wie deren eigne Eltern. Nicht minder Recht hat Rosegger,
in dessen „Waldschulmeister" wir lesen: „Die Schule lehrt die
Jugend, aber sie vermag dieselbe nicht eigentlich zu erziehen.
Mit welchen Organen saugt das junge Bäumchen mehr Nähr-
und Lebensstoff in sich, mit den Zweigen und Blättern aus der
freien Luft oder mit den Wurzeln aus dem Boden, dem es ent-
sprofst? Was das Kind durch die Schule aufnimmt, mufs müh-
sam verarbeitet werden; aber die Beispiele und Anleitungen der
Eltern gehen unwillkürlich in Fleisch und Blut über. Den Eltern
obliegt es, im Kinde den Grund zur gedeihsamen Weltanschauung
zu legen".
In diesem letzten Zitat handelt es sich um eine Gegenüber-
stellung der häuslichen und der Schul- nicht der Anstaltserziehung
und um eine Verteilung der Funktionen an die eine und an die
andere; die Belehrung, der Unterricht wird der Schule, alles
Übrige dem Hause zugewiesen. Darauf will ich jedoch jetzt
nicht näher eingehen; abgesehen davon läfst jene Anführung
Roseggers Meinung ja auch ganz allgemeinhin deutlich genug
erkennen: er will die elterliche Erziehung überhaupt durch nichts
ersetzt wissen. Wie recht er damit hat, das wird auch noch
aus den folgenden Ausführungen erhellen, in denen ich auf einen
weiteren Mangel der Anstalts-, der blofsen Massenerziehung auf-
merksam machen will. Es heifst aus dem Leben eines Menschen
ein Stück grofsen und edlen Glückes hin wegnehmen, wenn man