Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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240(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Sein Bewufstsein setzt ja von frühester Jugend an Gemeinschaft
zwischen ihm und den anderen. So lange er zurückzudenken vermag,
war er stets in Gemeinschaft, war die Gemeinschaft immer be-
stimmend für sein Leben, sein Thun und Lassen, sei es im Ver-
kehr mit Eltern und Geschwistern, sei es beim Spiel mit den Ge-
fährten, sei es beim Lernen mit den Kameraden in der Schule.
Und darüber hinaus gewahrt er die vielfachen Spuren der Ein-
flüsse der gröfseren und weiteren Lebens - Kreise, in denen er
aufgewachsen ist, in denen er nunmehr sich selbst auch bethätigt.
An zahllosen Fäden, welche er nicht selbst gesponnen hat, sieht
er seine Psyche gehalten; das Meiste und Beste von dem, was er
seinen geistigen Besitz nennt, stammt nicht von ihm selbst, son-
dern von den Beziehungen her, in denen er seit frühester Jugend
steht, in die er durch seine Geburt hineingestellt worden ist; er
begreift sich ganz als historisches Wesen und wird der Nich-
tigkeit der eigenen Einzelheit inne. — Diese Nichtigkeit lehrt ja
auch die objektive historische Betrachtung kennen: begegnet uns
doch in der Geschichte ebenfalls der Mensch immer nur in der
Gemeinschaft, soweit wir auch zurückschauen mögen — eine
homogene Masse hinter der anderen, der Einzelne unlöslich ver-
webt in das ungeheure, lebendige Menschengespinst, das als
Familie, als Stamm, als Volk, als Völkerverband, als Menschheit
uns entgegentritt. Man suche sich einmal Alexander, Julius Cäsar,
Karl den Grofsen, Luther, Napoleon als „Einzelne" in des Wortes
verwegenster Bedeutung, als wahrhaft und wirkhch „Einzelne"
vorzustellen: es ist gar nicht möglich. Es giebt keine „Ein-
zelnen"; der „einzelne" Mensch ist ein blofses, leeres
Abstraktum. Was ist Alexander ohne Philipp, überhaupt ohne
die lange Reibe seiner Ahnen; was ist er ohne Homer und
Aristoteles, und was ist Aristoteles wieder ohne Piaton, Piaton
ohne Sokrates, Sokrates ohne die Sophisten! Es giebt keine
„Einzelnen", wie leiblich nicht, so auch geistig nicht.
Was ist Luther ohne die Vorreformatoren, ohne die Renaissance,
ohne die Humanisten, ohne das allgemeine dunkle Sehnen nach
Befreiung von dem Gewissenszwange der katholischen Kirche!
Es giebt keine „Einzelnen"; auch im Fühlen sind wir alle
eine homogene Masse. Sonst keine religiöse Reformation im
16., keine französische Revolution im 18., keine Befreiungskriege
im 19. Jahrhundert. Es giebt keine „Einzelnen"! Nichts be-
steht für sich, alles ist bedingt; nichts geschieht, was nicht vor-
bereitet, was nicht blofse Folgeerscheinung wäre: die geschieht-