Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 28. Struktur und Organisation der sozialen Psyche. 239
zur Verfügung stellen mufs, was ihn freilich der Verpflichtung
nicht überhebt, stets des Zusammenhanges eingedenk zu sein, in
welchem sein Volk mit anderen Völkern und mit der Menschheit
steht. Dieses Zusammenhanges wird jeder inne, der in sich
hineinzuschauen versteht; er findet dann nicht blofs die charakte-
ristischen Züge eines streng in sich abgeschlossenen Volkscharak-
ters in seiner Seele vor, sondern aufserdem noch mancherlei Eigen-
tümlichkeiten, welche auch an den Angehörigen anderer Nationen,
und solche endlich, welche an allen Menschen zu beobachten
sind. Der Grund dieser Erscheinung ist uns bereits bekannt; er
ist in den Wechselbeziehungen zu suchen, welche zwischen den
Völkern bestehen und den Volkscharakter mannigfach modifizieren.
Und ferner sind ja gewisse allgemeine Anlagen allen Menschen
gemein: dieselben entwickeln sich zwar je nach den verschiedenen
Lebensbedingungen verschieden, so dafs im Laufe der Entwickelung
aufserordentlich weitgehende Unterschiede sich herausbilden; aber
der Gattungscharakter bleibt doch trotzdem gewahrt und damit
der menschheitliche Zusammenhang für alle Zeiten bestehen. Nimmt
man schliefslich noch die auf individueller Variation beruhenden
spezifischen Eigentümlichkeiten hinzu, so stellt sich die individuelle
Psyche als ein recht kompliziertes Gebilde dar, indem sie beson-
derste (individuelle), besondere (volkische), allgemeine (kultur-
gesellschaftliche) und allgemeinste (menschheitliche) Züge auf-
weist. Daraus entspringt das Bewufstsein der Glied-Ganz-
heit; der Mensch erkennt sich als Individuum neben anderen
andersgearteten Individuen, erfafst sich jedoch gleichzeitig, indem
er der vielen Übereinstimmungen inne wird, welche zwischen
jenen anderen Individuen untereinander sowohl als auch mit Bezug
auf ihn selbst existieren, als Teil einer kleineren, gröfseren und
der ganz grofsen Gesamtheit, eines Volkes, der Kulturgesellschaft
und der Menschheit. Diese auf Grund der Thatsachen der inneren
und der äufseren Erfahrung, der auf sich selbst und auf die an-
deren gerichteten Beobachtung vollzogene Selbsteinreihung in die
vorhandenen Menschen-Verbände führt das Erwachen des subjek-
tiven historischen Bewufstseins herbei, bedingt das Ver-
ständnis dessen, dafs der Einzelne nur eine Phänomenal-
Existenz hat. Dafs dem wirklich so ist, ist dem denkenden
Menschen nicht und kann ihm gar nicht zweifelhaft sein: kann
er sich doch nicht denken ohne Gemeinschaft und die
Gemeinschaft nicht aus seinem Leben hinwegdenken;
versucht er es dennoch, so mufs er sich selber mit hinwegdenken.