Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 27. Die Triebkräfte des Gemeinschaftslebens. 235
nie dauernde Geltung bewahren, kann nie beharren. Die
Inzucht mufste beseitigt werden; der Kindermord, die Anthropo-
phagie u. a. m. kommen immer mehr und mehr in Wegfall. Kann
also der Evolutionismus in der Ethik nicht erklären, woher es
kommt, dafs in der sittlichen Entwickelung Beharrendes sich findet
sogut wie Flielsendes? Ich dächte, ich hätte den Beweis dafür
erbracht, dafs er es vermag.
Schliefslich mufs hier noch darauf hingewiesen werden, dafs
der neuen Ethik gemäls die allein richtige Schätzung des Menschen
die dynamische sein kann. Das darin beschlossen liegende
Prinzip ist ein doppelseitiges, indem es einerseits angewandt werden
kann zur Beurteilung des Effektes einer That, anderseits als Mafs-
stab für das Wollen, die Energie des Thäters zu dienen imstande
ist. In jener, der objektiven Beziehung ist das Handeln das wert-
vollste, das der Gattungserhaltung und -Vervollkommnung am
förderlichsten ist. In dieser, der subjektiven Beziehung ist wiederum
zweierlei auseinander zu halten. Von zwei Menschen ist zunächst
derjenige höher zu stellen, welcher über das stärkere Wollen, die
gröfsere Energie verfügt. Weiterhin mufs aber noch ein anderes
berücksichtigt werden. Bei der Beurteilung der Leistungen dieser
zwei kann die Wagschale des ersteren doch sinken, dann nämlich,
wenn er nicht seine ganze Kraft an die Erreichung des gesteckten
Zieles gesetzt hat. Objektiv betrachtet ist seine Leistung vielleicht
auch dann noch bedeutsamer als die des anderen; subjektiv ange-
sehen aber stellen wir diesen über jenen, vorausgesetzt natürlich,
dafs bei ihm Wollen und Können im Einklang sind: sein Wollen
hat sich in dem Falle als das relativ stärkere erwiesen.
Diese Grundsätze sind die für die Erziehungslehre und Er-
ziehungskunst mafsgebenden; nach ihnen richtet sich alle pädago-
gische Zwecksetzung. Können wir doch naturgemäfs in der
Erziehung nichts erreichen wollen, was nicht das Leben
immanenten Gesetzen zufolge schon an und für sich an-
strebt. Das Ziel der Erziehung kann in nichts anderem bestehen
als darin, an das Leben einen Menschen abzuliefern, der bereit
ist, sich freudig der Gesamtheit hinzugeben, seine ganze Kraft
daran zu setzen, die Erhaltung und Vervollkommnung der Gattung
fördern zu helfen. Erhabene Schauer müssen die Seele des Jüng-
lings wie des jungen Mädchens am Ende der ganzen Erziehungs-
periode erfüllen, wenn ihnen nunmehr voll der Blick geöffnet wird,
die Augen aufgethan werden für den grofsartigen Entwickelungs-
prozefs, den das Menschengeschlecht bereits durchlaufen und noch