Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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234(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
der sittlichen Anschauung und der moralischen Gesetzgebung hat
sich bezüglich dessen im Laufe der Zeit vollzogen, wen man als
seinen Nächsten zu betrachten habe! Dem Griechen war der
Barbar, dem Juden der Heide, dem Neger ist der Angehörige
eines anderen Stammes nicht „sein Nächster." Der Grieche machte
den gefangenen Barbaren zum Sklaven, der Neger bereitet sich
aus dem gefangenen Angehörigen eines anderen Stammes ein
leckeres Mahl. „Liebe deinen Nächsten!" Die sittlichen Ideen
sind in starrer Erhabenheit und Unwandelbarkeit von Ewigkeit
her da; warum sind sie nicht allen Menschen bekannt? Warum
richten sich auch diejenigen, denen sie zufällig bekannt werden,
nur so unvollkommen nach ihnen und ergreifen sie gleichsam
immer blofs stückweise? Der Evolutionismus vermag hier allein
zufriedenstellenden Aufschlufs zu geben. Aus sich heraus
arbeiten die Menschen im Laufe der Entwickelung das
Sittliche; die Entwickelung aber, deren nach Aussage der Anthro-
pologen alle Menschenrassen fähig sind, ist verschieden je nach
den verschiedenen natürlichen Bedingungen, unter denen die
Menschen leben, indem dieselben bald hemmend und bald fordernd
einwirken. — Nun aber zu dem anderen: der Evolutionismus soll
nicht das Beharrende in der sittlichen Entwickelung erklären
können. Die absolute Ethik macht es sich freilich, ganz abge-
sehen davon, dafs sie weit über das Ziel hinausschielst, sehr leicht,
indem sie den Knoten einfach zerhaut. Das Beharrende, also die
sittliche Idee der Absolutisten, ist ein Beharrendes deshalb, weil
es als ewiger, unverrückbarer Leitstern der Menschheit voran-
leuchtet. 0 nein, sagt der Evolutionist, was da beharrt in allem
Wandel und Wechsel der Entwickelung, das beharrt, teils weil es
innere Lebensgesetzmäfsigkeit ist, so das Prinzip der
Gattungserhaltung und Gattungsvervollkommnung, teils weil es
zu dieser immanenten Lebensgesetzmäfsigkeit in in-
nigster Beziehung steht. Solche einzelne Vorschriften
und allgemeine Grundsätze bleiben in Geltung, welche
durch lange Zeiten die Probe ihrer Zweckmäfsigkeit mit
Bezug auf das ethische Grund- und Urprinzip bestanden
haben, solche deren Aufhören, deren Fallenlassen gleich-
bedeutend wäre mit der Selbstzerstörung des Lebens,
der Gattung, mit der Vernichtung der Möglichkeit der
Erhaltung und Vervollkommnung der Gattung. Umge-
kehrt: alles was sich mit der Möglichkeit der Gattungs-
Erhaltung und -Vervollkommnung nicht verträgt, kann