Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Zufälligkeiten aller Art gewährt, mit denen die Natur beständig
die Lebewesen bedroht. Seine geistige Ausbildung ist nun vollends
ganz und gar ein Geschenk der Gemeinschaft. Die Bildung,
die er empfängt, ist in jeder Hinsicht Gemeingut, er-
arbeitet im Gemeinschaftsleben früherer Generationen.
Betrachten wir die gewaltigen Triebkräfte näher, welche immer
von neuem wieder menschliches Gemeinschaftsleben erzeugen und in
ihm unaufhörlich weiter und weiter walten, weben und wirken, um
die menschliche Gattung zu erhalten und zu vervollkommnen, so sind
es vornehmlich diese. Grundlegend ist der Lieb es drang in seinen
verschiedensten Formen, Gestalten und Phasen. Als Geschlechts-
liebe zieht er den Mann zum Weibe und das Weib zum Manne
und sichert damit den Fortbestand der Gattung durch die Jahr-
tausende der Entwickelung, ein unversiegbarer Born, aus dem
das Menschengeschlecht immer von neuem wieder entsteht, sich
fort und fort verjüngt, Unsterblichkeit schöpft. Aber nicht nur
Gattung erhaltend wirkt diese gewaltige Triebkraft, sondern auch
Gattung vervollkommnend, Leben erhöhend. So verdankt ganz
sicherlich die Kunst zum guten und grofsen Teil ihren Ursprung
im Verein mit der Phantasie und dem Nachahmungstriebe der
Geschlechtsliebe. Was würde z. B. von unserer schönen Litteratur
übrigbleiben, wollten wir alles das streichen, was liebebegeisterte
Dichter geschrieben haben, oder alles das ausmerzen, was von der
Liebe der Geschlechter handelt? Und wie um die Dichtkunst so
steht es auch um die Musik, die Malerei und die Bildhauerkunst.
Die Geschlechtsliebe ist das un verlösch bare Zentralfeuer,
das überallhin Licht und Wärme spendet; das alles durchleuchtet
und durchglüht. Schön und treffend sagt Wieland im „Gandalin®
daher: „Was wäre unterm Mond wohl mehr der Rede wert als
Liebe? Und unterm Mond und überm Mond was anders ist's
als Liebe und Liebe, was überall atmet, wirkt und webt, was
alles bildet und alles belebt?" Und nicht nur im Menschenleben
ist ja die Geschlechtsliebe die grofse Zauberin; sie ist, um mit
Wieland zu reden, „das ewige Märchen der ganzen Natur, das Sehnen
aller Kreatur." Auch in der aufs ermenschlichen Sphäre bewährt
sie sich wiederum nicht blofs als das Leben schaffende und er-
haltende, sondern desgleichen als das Leben verschönernde und
erhöhende Prinzip: sie entlockt der Nachtigallenkehle die süfsesten
und schmelzendsten Töne; sie erfindet jene farbenprächtigen Gefieder,
welche die Augen des Weibchens auf das Männchen ziehen, es
blenden und berauschen. Ästhetisiert die Geschlechtsliebe in der