Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 25. Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens. 207
überführen und dadurch das allgemeine Kulturgut
gleichsam aus Privatmitteln noch beständig bereichern.
Das gilt für alle Gebiete des Kulturlebens, ganz besonders aber
für Kunst und Wissenschaft, welche ja überhaupt nicht so sehr
Gesamt- sondern vorzugsweise Einzelleistungen aufzuweisen haben,
was ja durchaus in der Natur der Sache begründet ist. Dafs
trotzdem jedoch auch Kunst und Wissenschaft nur in der Ge-
meinschaft aufkommen und gedeihen können, ist ganz zweifellos;
sie sind ebenfalls, wie Sitte, Recht, Moral und Religion, Produkte
des immer mehr sich entwickelnden und vervollkommnenden Ge-
meinschaftslebens und somit allgemeines Eigentum, wenngleich,
namentlich was die Wissenschaft betriift, in etwas anderer Weise,
als dies bei den sonstigen Kultur-Errungenschaften der Fall ist.
Wir werden das aus den weiteren Ausführungen ersehen, welche
die Beziehungen zwischen Kultur und Gemeinschaftsleben darzu-
legen haben.
Zuvor mufs jedoch noch ganz besonders auf folgenden Umstand
hingewiesen werden. Es ist ganz sicher, dafs die Entwickelung
des Gemeinschaftslebens, welche sich in seiner fortschreitenden
Differenzierung kundgiebt und schliefslich zur Begründung des auf
der Einzelfamilie beruhenden Staates als Grundlage höherer Ge-
sittung geführt hat, vom Gemeinschaftsleben selbst bewirkt worden
ist. Es handelt sich dabei, was aus allem früher Gesagten her-
vorgeht und keiner erneuten Auseinandersetzungen bedarf, durch-
aus um eine immanente Entwickelung, deren letztes Produkt der
Staat ist, welcher keineswegs als eine künstliche Schöpfung, wie
man einst allgemein glaubte, zu gelten hat. Wohl aber mufs
noch besonders gezeigt werden, dafs durch diese Entwickelung
thatsächlich die Bedingung höherer Kultur gegeben ward. Zu
diesem Zwecke müssen wir die Gesellschaft der Vorzeit in ihrer
vollendetsten Gestalt mit derjenigen in den ersten geschichtlichen
Zeiten, die auf der Punaluafamilie und der uterinen Gentilver-
fassung beruhende mit der auf der patriarchalischen Familie sich
aufbauenden und vaterrechtlich basierten vergleichen. Die vor-
geschichtliche Gesellschaft tritt uns entgegen als Stammesgesell-
schaft; Stammesbündnisse kommen vor, sind aber noch zu locker,
um zur Konstituierung eines Volkes zu führen. Gesellschaftliche
Differenzierung macht sich in der Weise geltend, dafs der Stamm
in eine Anzahl von Gentes, Geschlechtern oder Sippen zerfällt, die
wieder aus einer Reihe von Muttergruppen bestehen, zu denen
die Mutter mit ihren Kindern und Brüdern gehört. Die Anfänge