Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 25. Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens. 205
eines Denkscliatzes bedeutet, der späteren Generationen in der
Weise zugute kommt, dafs sie mit Erlernung ihrer Muttersprache
gleichzeitig denken lernen; ein Umstand, der, wie von selbst ein-
leuchtet, wieder auf das Denken im Sinne seiner Höherentwickelung
zurückwirkt und damit eine über frühere Entwickelungsstadien
hinausgehende Entwickelung der Kultur ermöglicht. Aber vor
allem bewirkt die Sprache einen stetigen Kulturfortschritt durch
Folgendes. In der Sprache werden die mannigfachen Erfahrungen
einer Generation niedergelegt und mit ihr auf die nächste über-
tragen; dadurch wird es derselben erspart, diese Erfahrungen
selbst zu machen, und sie kann nach fester Aneignung des über-
kommenen Besitzes ihre ganze Kraft dazu verwenden, auf der vor-
handenen Grundlage weiter zu bauen, neue Erfahrungen zu
sammeln, wozu die alten ohnedies hindrängen; denn sie sind ja
immer unvollkommen, mangelhaft, unabgeschlossen und bergen
daher einen Stachel in sich, der zum Weiterschreiten, Weiter-
sammeln, Weiterforschen antreibt. So hinterläfst die zweite Gene-
ration der dritten einen etwas grölseren Erfahrungsschatz, als sie
selbst von der ersten geerbt hat; die dritte vermacht denselben
wieder noch vermehrt der vierten u. s. f.
Diese durch die Sprache vermittelte Tradition, welche ein
fortwährendes Wachstum der Kulturgüter bedingt, gewinnt dann
noch beträchtlich an Festigkeit und Erfolgsicherheit, wenn zur
gesprochenen Sprache die geschriebene sich hinzugesellt, welche,
wie man eigentlich wohl gar nicht besonders zu betonen braucht,
ebenfalls auf dem Verkehrs- und Mitteilungsbedürfnisse
beruht. Wie in der Geberden- und Lautsprache so spielt auch
hier die Nachahmung eine grofse Rolle, indem alle Schrift als
Bilderschrift, welche die fraglichen Dinge oder Handlungen mittels
Bilder darstellt, zuerst auftritt. Man bediente sich ihrer anfäng-
lich im besonderen, um Botschaften zu senden; ferner um wich-
tige Ereignisse, namentlich Kriegszüge oder grofse Jagd-Expedi-
tionen der Erinnerung der Nachwelt zu überliefern: so findet man
derartige Darstellungen häufig bei den Indianern Nordamerikas,
auch im nördlichen Europa, in Schweden sind solche an Fels-
wänden, oftmals an den Ufern von Flüssen und Seen, entdeckt
worden, die sogen. „Hällristringar"; um über die Thaten Ver-
storbener, hauptsächlich der Häuptlinge oder sonstiger angesehener
Personen zu berichten, wofür indianische Grabsäulen mit ihren
Bilder-Inschriften zahlreiche Beweise an die Hand geben; endlich
um das Gedächtnis durch bildliche Anhaltspunkte beim Sprechen