Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 25. Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens. 203
Bewegung, die mit Hand und Auge auch das Sprachorgan er-
greift, und es mag sein, dafs diese hinweisende Bedeutung viel-
mehr der Bewegungsempfindung als dem Laute innewohnt, der
hier nur ein unerläfslicher Begleiter der Bewegung ist", sagt
Wundt einmal, wie mir scheint, sehr richtig und treffend.
Die Gruppe der demonstrierenden Wurzeln läfst, wie ohne weiteres
ersichtlich ist, am bestimmtesten den Zweck der Sprache als eines
Mittels zur Befriedigung des Verkehrs- und Mitteilungs-Bedürfnisses
erkennen; aber auch bei den prädikativ-imitierenden Wurzeln kann
dieser Zweck nicht bezweifelt werden. Man denke sich etwa Fol-
gendes: ein Reiz, z. B. der Donner oder der Schrei eines Vogels,
löst eine gefühlsbetonte Gehörswahrnehmung aus, eine Vorstellung,
welche von einem Gefühle der Furcht begleitet ist; der Mensch
sucht Schutz bei anderen, und, um diesen begreiflich zu machen,
warum er sich fürchtet und zu ihnen flüchtet, bemüht er sich,
unter entsprechenden Geberden den Furchterreger, da er ihn nicht
zeigen kann, durch nachahmenden Laut darzustellen. So wird
man überhaupt sagen können: was immer die Aufmerksam-
keit des Einzelnen fesselte, darauf suchte er auch die
Aufmerksamkeit seiner Umgebung hinzulenken, indem
er entweder den betreffenden Gegenstand direkt zeigte,
dazu unter Geberden einen Laut ausstofsend, oder indem
er ihn durch charakteristische „Lautmalerei" zu ver-
deutlichen sich bestrebte. Das erstere naturgemäfs bei Gegen-
ständen der Gesichts-, das letztere bei solchen der Gehörswahr-
nehmung, wie wir dergleichen ja noch bei Kindern zu beobachten
Gelegenheit haben. Nun würde jedoch die Absicht des Einzelnen
erfolglos geblieben und somit der willkürliche Gebrauch der Ge-
berden und Laute sofort beim Entstehen wieder erloschen sein,
wenn dem nicht eine analoge Entwickelung des geistigen Lebens
bei den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft entgegengekommen
wäre, welche Verständnis und Verständigung ermöglichte. Auf der
Grundlage übereinstimmender geistiger Beschaffenheit
oder noch besser: gleicher psycho-physischer Bedin-
gungen schuf also das Mitteilungs-Bedürfnis die Sprache,
und wie dieselbe auf diese Weise als ein Produkt des Ge-
meinschaftslebens entstand, so befestigte sie sich ferner-
hin als Gemeinbesitz vermutlich vor allem mit Hilfe des
Nachahmungstriebes, der zur Fixierung der einmal auf-
gekommenen Lautzeichen wesentlich beigetragen haben
mag. Für die Richtigkeit dieser Annahme scheint mir im be-