Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 25. Die Kultur als Produkt des Gemeinschaftslebens. 201
Zunächst einmal ist, wie ich glaube, kein Zweifel daran mög-
lich, dafs Grundlage, Voraussetzung und Bedingung aller eigent-
lichen Kultur, das will besagen: der, selbständiger Fortent-
wickelung zugänglichen und im einzelnen wie in ihrem Zusammen-
hange bewufsten, also der geistigen Lebensbethätigung, die
Sprache ist. Zwei gewichtige Gründe sprechen dafür, indem die
Sprache einerseits unstreitig das beste und bequemste Instrument
des Denkens ist und alle höhere Denkthätigkeit überhaupt erst
auf ihr beruht, und sofern anderseits durch sie nicht nur dauernd
bewufste Fixierung, sondern auch bewufste Übertragung und da-
mit Summierung geistiger Errungenschaften ermöglicht wird.
Natürlich konnte die Sprache dergleichen nicht von vornherein
in der vollkommenen Weise wie heutzutage bewirken; denn sonst
hätte sie ja gleich als ausgebildete Sprache auftreten müssen, und
das ist selbstverständlich nicht der Fall gewesen. Um ein so vor-
treffliches Instrument zu werden, wie sie jetzt ist, mufste sie erst
einen langen Entwickelungsgang durchgemacht haben; das aber
war nur in der Gemeinschaft möglich, wie die Sprache
auch blofs im Gemeinschaftsleben entstehen konnte:
denn es ist doch ganz olfenbar, dafs sie aus dem Bedürfnisse
der Mitteilung hervorgegangen ist. Dieses Mitteilungs-Be-
dürfnis führte wohl zunächst auf der Grundlage der unwill-
kürlichen pantomimischen Bewegungen, durch welche auch höhere
Tiere, wie z. B. Hunde und Affen, ihre Gefühle äufsern, zur will-
kürlichen Geberden-Sprache, die aber nicht mehr blofs Gefühle,
sondern sehr wahrscheinlich schon einzelne Vorstellungen aus-
zudrücken bestimmt war: Ansätze dazu begegnen uns ebenfalls
bereits im Tierreich. Darüber hinaus zu gelangen war jedoch
nur dem Menschen vorbehalten, da im tierischen Bewufstsein sich
die Vorstellungen sehr wenig deutlich voneinander scheiden,
sodafs eine aufmerksame Erfassung des Einzelnen, welche
zur Bezeichnung durch Geberde und weiterhin durch Sprachlaut
erforderlich ist, fast gänzlich fehlt. Wodurch diese Entwickelung
beim Menschen möglich geworden ist, läfst sich natürlich nicht
sagen, nicht einmal vermuten: wir müssen es als eine vollendete
Thatsache hinnehmen. Mit diesem Fortschritte war nun die Be-
dingung der Sprache als eines Ausdrucksmittels für Vorstellungen
gegeben: aber die Ursache dessen, dafs man sich diese
Fähigkeit zunutzemachte, die Ursache des aktuell Wer-
dens des blols potenziell Vorhandenen war eben das
durch das Gemeinschaftsleben erzeugte Mitteilungs-
Bedürfnis.