Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
1(32 II- Teil. Die soziologischen Grundlagen der Erziehungslehre.
Horden- zur Blutsverwandtschafts-, zur Punalua-, zur Paarungs-,
und endlich zur Einzelfamihe das, einen immer mehr oder weniger
herdenartigen Charakter an sich tragende blofs oder doch fast
ausschlielslich Generelle in jeder Hinsicht mehr und mehr zurück-
tritt und dem spezifizierten Generellen Platz macht; das stets
mehr oder weniger instinktartige nur-Soziale wird all-
mählich zum Sozialindividuellen: auf dieser Stufe gelangt der
Mensch zur bewufsten Setzung seiner selbst als Gemeinschafts-
wesens, des sich in seiner sozialen Bedingtheit selbst erkennenden
Individuums, das den Ausgangspunkt seiner Existenz in der Ge-
samtheit entdeckt und einsieht, dafs der Zweck seiner Lebens-
bethätigung kein anderer sein kann als Hingabe an die Gesamtheit,
und nun darum gewissermafsen freien Entschlusses in deren Dienst
seine Kräfte stellt. Ich sage ausdrücklich, dafs nur gewisser-
mafsen dem Individuum Freiheit zuzugestehen ist, sofern nämlich
sein Wollen individueller Bewufstseins-Vorgang ist, in dem es
seiner selbst als Ursache des nachfolgenden Handelns, des zu er-
wartenden Thuns inne wird. Dafs der Mensch so will, wie er
will, das ist natürlicherweise nicht Sache seines freien Beliebens,
sondern die notwendige Konsequenz seiner Wesensbeschalfenheit,
seines Charakters, der ja sein Gepräge angeborenen, auf Vererbung
und Variation beruhenden Dispositionen und den Einflüssen des
Milieus auf deren Entwickelung verdankt. — Eine so konstituierte
Gesellschaft scheint nun allerdings nichts weniger denn ein Analogen
zu dem Organismus zu sein, von welchem eingangs dieses Para-
graphen vergleichsweise die Rede war. Ich betone nochmals, dafs
eine vollkommene Analogie natürlich nicht vorhanden ist; aber
gänzlich kann man eine solche doch nicht von der Hand weisen,
namentlich dann nicht, wenn wir an Stelle jenes einfachen Organis-
mus, der nur zur Veranschaulichung eines gewissen Entwickelungs-
prozesses zum Vergleich herangezogen wurde, einen komplizierteren,
etwa den des Menschen selbst setzen. Da finden wir eine aufser-
ordentlich grofse Fülle von Zellen der verschiedensten Struktur
und doch letzten Endes alle von der nämlichen Art zu Gruppen
vereinigt, welche die mannigfachsten Funktionen zu erfüllen haben,
und jeder Zelle davon etwas zugeteilt, aber alles ineinander greifend,
eines das andere bedingend und eine einheitliche Gesamtleistung
hervorbringend, dazu ein Bewufstsein des Ganzen, ein Gesamt-
bewufstsein, in welchem alle bedeutsamen Änderungen, Ver-
schiebungen, Störungen, Hebungen und Senkungen registriert
werden. Freilich es fehlen die Sonder-, die Einzelbewufstseine,