Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
thatsächlich die konstitutiven Elemente des Staates waren, als
derselbe im eigentlichen Sinne entstand. Die grofsen, herrschaft-
lich organisierten Aristokraten-Familien, welche sich aus den an-
fänglich noch ziemlich bescheiden auftretenden patriarchalischen,
aber bereits durch ihre energische Zentralisation und ihren immer
wachsenden Reichtum mächtigen Familien herausentwickelt hatten,
übernehmen nach und nach alle wichtigen öffentlichen Funktionen,
werden die eigentlichen Stützen der Gesellschaft und die Säulen
des Staates. Wie das im Altertum der Fall war, so beobachten
wir es dann auch wieder im Mittelalter, nachdem die Stürme der
Völkerwanderung ausgetobt hatten und die Völker in ihren neuen
Wohnsitzen zur Ruhe gekommen waren, wo sie nunmehr anfingen,
sich neu zu konstituieren und eine staatliche Organisation aus
sich heraus erstehen zu lassen. Aber auch hier macht sich gerade
wie im Altertume gegen den patriarchalischen Aristokratismus
eine auf Demokratisierung gerichtete Gegenströmung geltend, die
jedoch, im Verlaufe der Entwicklung allmählich immer mehr an-
schwellend und erstarkend, erst jetzt nach mehr als einem Jahr-
tausend zu einer wahrhaften Neugestaltung der europäischen
Kulturgesellschaft zu führen geeignet erscheint, nachdem neben
dem Geburtsadel der Geldadel aufgekommen ist und so weit-
reichende Geltung erlangt hat. Hier fehlt naturgemäfs das patri-
archalische Element, die straffe Zentralisation; und obwohl nicht
zu verkennen ist, dafs man dergleichen auch in diesen Kreisen
anstrebt, so können doch solche Bemühungen unter den gegen-
wärtigen Verhältnissen nur von vorübergehendem Erfolge sein.
Selbstverständlich bilden nach wie vor die Familien
die grundlegenden konstitutiven Elemente von Staat
und Gesellschaft, aber in einem ganz anderen Sinne als
früher, nämlich im biologischen, nicht mehr im poli-
tischen: die Macht der Famihen ist gebrochen; sie kommen nur
noch als Einzelfamilien, behufs fortdauernder Erneuerung des
Volkskörpers in Betracht. Die Macht liegt heutzutage schon de
facto einzig bei grofsen Massen, woran das Ignorieren dieser That-
sache nichts ändert: wir stehen eben bereits in der Umgestaltung
der Dinge seit langem mitten inne; dieselbe vollzieht sich in aller
Stille, aber mit unfehlbarer Sicherheit.
g 24.
Nach allen diesen Ausführungen kann es wohl auch für den-
jenigen, der zuvor noch nicht überzeugt war, nicht mehr zweifei-