Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 21. Die sozialen Lebenskreise in ihrer Entstehung u. Entwickelung. I53
im besonderen zu gute kommen mufste in erhöhter Fürsorge für
ihn, in besseren und wirksameren Schutzmafsnahmen u. dgl. m.
So mag es bald genug dahin gekommen sein, dafs die einzelnen
Gentes manchmal gröfser waren als früher der ganze Stamm: so-
weit sich haben Zahlen feststellen lassen, schwankt die Anzahl
der zu einer Gens gehörigen erwachsenen und unerwachsenen
Personen zwischen 50 bis 500 und die derjenigen eines ganzen
Stammes zwischen 1000 bis 5000, während vordem Stämme von
100 Personen die Regel und solche von mehreren Hunderten schon
Ausnahmen gewesen sein mögen.
Selbstverständlich führte die Gentilgruppierung auch einen
Fortschritt in der sozialen Organisation dadurch herbei, dafs sie
ein komplizierteres System der Regierung und Ver-
waltung erforderte und setzte. Sollte eine einheitliche Leitung
des ganzen Stammes möglich sein, was doch bisweilen unbedingt
nötig war, um ein gemeinsames Vorgehen, z. B. in Kriegsfallen,
zu veranlassen, so mufste eine Art von Zentralregierung geschaffen
werden. Diese bestand aus je einem oder auch aus mehreren Ver-
tretern der einzelnen Gentes und bildete einen Stammesrat für alle
gemeinsamen Angelegenheiten, der natürlich nicht ständig in
Funktion war, wie unsere Regierungskollegien, sondern nur nach
Bedarf zusammentrat, um namentlich über Krieg und Frieden zu
beraten und auch Streitigkeiten unter den Gentes beizulegen, so-
fern das nicht den Gentil-Vorstehern gelang. Die Beratungen des
Stammesrates waren zumeist ganz öffentlich; alle übrigen Stammes-
mitglieder konnten zugegen sein und dreinreden: die Entscheidung
lag jedoch in den Händen des Rates. In manchen Stämmen wurde
auch aus der Mitte des Stammesrates ein Häuptling ernannt,
mit dessen Machtbefugnis es aber nicht weit her war: derselbe
führte bei den Ratsversammlungen den Vorsitz und hatte in Fällen,
wo schnelles Handeln Not that, provisorische Mafsregeln zu er-
greifen bis zu der Zeit, da der Rat zusammentreten konnte. Fehlte
ein solcher Stammeshäuptling, so wählte die Ratsversammlung aus
ihrer Mitte für ihre Tagungen einen Präsidenten, was jedoch
keineswegs immer geschah. Im übrigen ordneten die Gentes ihre
Angelegenheiten ganz selbständig, jede für sich. Jede Gens hatte
einen Rat, bestehend aus den Gentilgenossen, der alle inneren
Geschäfte erledigte, z. B. über Bufsgaben, W^ergeld oder Blut-
rache für ermordete Gentilen beschlols. Fremde in die Gens
adoptierte u. a. m. In ihm wurden ferner die Vorsteher der Gens,
einer für den Frieden und einer für den Krieg, gewählt: diese