Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Doch siehe , der Zöllner erkennt ihn nicht;
Die Sonn' hat zu sehr ihm verbrannt das Gesicht.
Und weiter geht er die Strafsen entlang,
Eine Thräne hängt ihm an bleicher Wang'.
Da thut seine Schwester ihr Fenster auf ,
Und er winkt mit dem herzlichsten Grufz hinauf.
Doch sieh , auch die Schwester erkennt ihn nicht;
Die Sonn' hat zu sehr ihm verbrannt das Gesicht.
Und weiter geht er die Strafsen entlang ,
Benetzet von Thränen die bleiche Wang'.
Da wankt von der Kii'che sein Mütterchen her.
»Gott grüfz euch !" so spricht er und sonst nichts mehr.
Doch siehe , das Mütterchen schluchzt vor Lust :
»Mein Sohn!" und sinkt an des Burschen Brust.
Wie sehr auch die Sonne sein Antlitz verbrannt,
Das M u 11 e r a u g' hat ihn gleich erkannt.
53. Der Mönch zu Pisa.
Zu Pisa in dem Klostergarten geht
Ein finstrer Mönch, wo Blum' an Blume steht.
Sein Antlitz ist gebleicht vom langen Gram ,
Man weifz nicht, wer er war, woher er kam.
Stumm wandelt er zu jeder Abendzeit
Hin durch die Gänge mit verschlossnem Leid.
Jetzt blickt er nach der Tulpe Farbenlicht,
Nach der Karthäusernelke , zart und schlicht,
Jetzt nach der Kose, nach der Lilie rein:
»Ach, wer wie Blumen könnte schuldlos sein!"
Nun lauscht er zu der Zweige grünem Kranz,
Wo Vöglein flattern noch im goldnen Glanz.
Er lauscht, das Haupt gesenkt, dem süfsen Klang :
»Ach, wer noch Tröstung fände im Gesang I"
Dann aber senkt sein Blick , von Thränen feucht,
Zur Erde sich , von der er nimmer weicht.
»0 Erde, ölfne du dich mir in Huld ,
Denn du, nur du tilgst meine blut'ge Schuld!" —
Doch als der Lenz nun wieder kommt ins Land,
Der Mönch nicht wieder bei den Blumen stand ,
Nicht lauschet er den Sängern in den Höh'n ;