Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Vorige scan Volgende scanScanned page
61
Als ein rait späten Enkeln geteiltes Eigentum,
Sein Denkmal jede Schwingung, und jeder Klang sein Ruhm.
Drum auf Schul-Erhards Wiese beginnt er rasch den Gufs,
Schon gäbrt im lohen Ofen des Erzes grauser Flufs.
Schon öffnet Wolf mit Bangen des Models irdnen Schrein,
Und läfst in Gottes Namen die glühe Speis hinein.
Und alles harrt erwartend, bis ausgekühlt das Werk,
Damit er ab es schäle vom Hut bis ans Geraerk.
Nun fpfst er schon den Haramer, erhebt ihn schon ira Schwung,
Schon birst die Forra —• o Himmel! die Glock' hat einen Sprung.
Und Wolf, in Gottes Namen, erneut voll Hast den Gufs ;
Schon zwängt er in den Model den zweiten Feuerflufs,
Läfst schon das Werk erkühlen und hebt den Arm im Schwung,
Zerschlägt die Form — o Himmel! zum zweitenmal ein Sprung.
»Nun weil's denn nicht," so ruft er, »in Gottes Namen glückt.
Sei's in des Teufels Namen !" — das gläub'ge Volk erschrickt;
Er aber hört kein Warnen, er schmelzt und rührt und giefst.
Bis hell ins Kleid aus Erde die rote Speise schiefst.
Schon ist's verkühlt, schon schwingt er den Hammer, sprengt das Kleid,
Da steht es hell und glänzend in seiner Herrlichkeit,
Kein Sprung und keine Makel, des Feuers schönstes Kind ;
Er sieht's und staunt. Die Menge trägt's nach der Stadt geschwind.
Schon ziehn es tausend Hände mit Macht empor am Strang,
»WoH," heifst es, »prüf am ersten des eignen Werkes Klang!"
Er wartet hoch am Turme, bis sie sich langsam hebt.
Jetzt haftet sie, jetzt zieht er das Seil; sie tönt — er bebt.
Sie tönt so hohl, so grausig, sie gellt so wild und grafs.
Und rührt er sie gleich nimmer, sie brummt ohn' Unterläfs!
Das Volk zerstäubt sich kreuzend ; ihn aber fafst's wie Sturm,
Und schüttelt ihn wie Wahnsinn, und schleudert ihn vom Turm.
Die Glocke liefs man aber; noch hängt sie finster dort.
Und predigt: Gunst des Bösen sei gar ein schwacher Hort!
Doch als ein Kind des Fluches, als Werk der Höllenkunst
Rührt man sie nur beim Wetter, bei Sturm und Feuersbrunst.