Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Vielleicht, dafs er noch retten.
Den Strom noch hemmen kann :
Doch sieh, der Gufs ist fertig,
Es fehlt kein Tropfen dran.
Da eilt er abzuräumen.
Und sieht, und will's nicht sehn,
Ganz ohne Fleck und Makel
Die Glocke vor sich stehn.
Der Knabe liegt am Boden,
Er schaut sein Werk nicht mehr,
Ach, Meister, wilder Meister,
Du stiefsest gar zu sehr!
Er stellt sich dem Gerichte,
Er klagt .sich selber an :
Es thut den Richtern wehe
Wohl um den wackren Mann.
Doch kann ihn keiner retten,
Und Blut will wieder Blut:
Er hört sein Todesurtel
Mit ungebeugtem Mut.
Und als der Tag gekommen,
Dafs man ihn führt hinaus.
Da wird ihm angeboten
Der letzte Gnadenschmaus.
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Läfst mich nur einmal hören
Der neuen Glocke Klang!
Ich hab' sie ja bereitet,
Möcht' wissen, ob's gelang."
Die Bitte ward gewähret,
Sie schien den Herrn gering ;
Die Glocke ward geläutet,
Als er zum Tode ging.
Der Meister hört sie klingen
So voll, so hell, so rein:
Die Augen gehn ihm über,
Es mufs vor Freude sein.
Und seine Blicke leuchten.
Als wären sie verklärt:
Er hatt' in ihrem Klange
Wohl mehr als Klang gehört.
Hat auch geneigt den Nacken
Zum Streich voll Zuversicht;
Und was der Tod versprochen.
Das bricht das Leben nicht.
Das ist der Glocken Krone,
Die er gegossen hat.
Die Magdalenenglocke
Zu Breslau in der Stadt.
»Ich dank euch," spricht der Meister, Die ward zur Sünderglocke
»Ihr Herren lieb und wert, Seit jenem Tag geweiht;
Doch eine andre Gnade Weifs nicht, ob's anders worden
Mein Herz von euch begehrt: In dieser neuen Zeit.
48. Die Feuerglocke zu Cölu.
Der Glock' am Gölner Münster benahm die Zeit den Ton :
Wer soll die neue giefsen? — der Ruhm ist reicher Lohn.
Und Wolf der Glockengiefser, ein wilder, finstrer Mann,
Tritt hin zum Rat und bietet mit kühner Hast sich an,
Ihn lockt es wohl zu schauen, wie stolz sein Werk geweiht
Hineinsprüht in das Leben als offner Mund der Zeit;