Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Flofs ihm der Rührung Thräne vom Gesicht.
Mark und Gebeine fühlt' er sich durchdröhnen
Vom Donnerhall der Wort': »Es werde Licht!"
Da rief er laut, die Hände hoch erhoben :
»0 nicht von mir, das alles kam von oben!"
Er sank zu Boden, ward hinaus getragen,
Und bald darauf umschattet ihn der Tod.
Uns lebt er noch, und Dank und Freude schlagen
In Flammen auf bei seinem Morgenrot.
Unsterblich ist, wer in verlebten Tagen
Den Zeitgenossen so viel gutes bot,
Dafs noch , wenn ihn des Todes Nacht umschleiert,
Die Nachwelt seinen Lebensmorgen feieit.
JOHANN GABRIEL SEIDL
(ISOi-ISTS)
wurde in Wien geboren und widmete sich nach dem Willen seines Vaters, der
Advokat war, der Rechtswissenschaft, mulste jedoch, da er seinen Vater verlor,
ein Studium ergreifen, das ihm früh zu einer Lebensstellung verhalf. Er studierte
Philosophie, trat dabei in Zeitschriften als Dichter auf und wurde nach Beendigung
seiner Studien Lehrer in Wien, später in einem steiermärkischen Städtchen. Seine
archäologischen Kenntnisse verschafften ihm dann die Stellung eines Kustos an dem
Münz- und Antikenkabinett in Wien.
Seine »Gedichte" (1826), »Erzählungen" (18-28) »Bifolien" (1836,
mehrere Aufl.), »G e die h te in niederösterreichischer Mundart"
sind einfach, gemütlich, zart, voll heitrer Lebenslust, in wohllautender Sprache
gehalten.
Viele von seinen Gedichten haben daher Popularität erlangt, wie namentlich
die österreichische Nationalhymne »Gott erhalte Franz den
Kaiser"' (in ihrer letzten fBearbeitung; die erste, zu der Haydn 1797 seine be-
rühmte Komposition lieferte, ist ein poesieloses Machwerk des Jesuiten flaschka)
»H a n s E u 1 e r", »G 1 ö c k 1 e i n des Glücks" u. a.
Der Probe »Die Feuerglocke zu Göln" erlaube ich mir, obgleich Wi 1-
helm Müller erst später folgt, dessen Gedicht »Der Glockengufs zu
Breslau" voranzuschicken.
Seidl starb den 18 Juli 1875 1).
1) Seidl lieferte auch den Operntext von »Maurer und Schlosser."