Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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VI
4. Was ist das Grundthema des Erzählten?
5. Mit welchen andern Gedichten läfst sich das gerade vorliegende
vergleichen Worin besteht die Ähnlichkeit und worin der Un-
terschied ?
Ich gehe nun zu der Besprechung des Lesens und Deklamie-
rens über.
Gut lesen ist eine sehr zusammengesetzte und vielfache Fertigkeit :
es heilst:
1. mechanisch richtig und deutlich.
2. laut und kräftig.
3. fliefsend und leicht.
4. mit logisch richtiger Betonung und den für den logischen Sinn er-
forderlichen Pausen.
5. mit Empfindung und Seele (sowohl in der Bezeichnung des Einzelnen
als in Haltung des Ganzen) lesen.
Erst die Verbindung aller, oder das wahrhaft ästhetische Lesen, welches
die vier andern Stufen voraussetzt, gibt das freie, beseelte Lesen, was nicht
mit dem affektvollen leidenschaftlichen verwechselt werden darf, da dies
immer nur erst durch die Umstände gerechtfertigt sein mufs, also nur
eine Unterart des ästhetischen bildet.
Weder über die Methode, noch über die Wichtigkeit
des Lesens herrschen im gröfseren Publikum, viel-
leicht auch hier und da in den Schulen richtige Ansichten.
Man verlangt in der Regel das empfindungsvolle Lesen viel zu früh und
ruft damit entweder falsche Empfindungen, am gewöhnlichsten in einem
hohlen, steifen Pathos bestehend (der Geister- und Gespensterton !) oder
ein marionettenmäfsiges, von aller Seele, von aller innern Teilnahme ganz
entblöfstes Nachmachen des gehörigen Tones hervor, welches viel schlimmer
ist, als das klappernde Lesen, da dieses von einer Nichtentwickelung, jenes
aber von einer Verbildung zeugt, — dieses Hervortreten der rohen Natur
nur ein Mangel eines Vorzuges, jenes verkünstelte Wesen aber ein positi-
ver Fehler ist. Das seelenvolle Lesen kann, auch wenn in andrer Hinsicht
schon eine bedeutende Lesefertigkeit erworben ist, noch nicht so bald ein-
treten, da wahre Empfindung erst sich aussprechen kann, wenn sie vor-
handen ist, die Entwickelung der Empfindung aber nicht so rasch erfolgt.
<) Wo möglich auch Vergleichung eines Gedichtes mit der Quelle,
aus welcher der Dichter geschöpft hat. Fragen : Was hat der Dichter vorgefunden,
was hat er benutzt^ was übergangen, geändert, abgekürzt, erweitert? Welchen
Charakter zeigen die Hauptpersonen in beiden Darstellungen? Worin liegt das
Wirksame der Dichtung? u. s. w.