Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Die Sonne spricht: Warum nicht?
Und wirft ihm Strahlen in's Gesicht,
Küfst ihn dazu so freundlich ;
Der Apfel aber rührt sich nicht.
Nun schau, da kommt ein Vogel
Und setzt sich auf den Baum hinauf.
Ei, Vogel, du mufst singen ;
Gewifs, gewifs, das weckt ihn auf.
Der Vogel wetzt den Schnabel
Und singt ein Lied so wundernett.
Und singt aus voller Kehle;
Der Apfel rührt sich nicht im Bett,
Und wer kam nun gegangen ?
Es war der Wind, den kenn' ich schon ;
Der küfst nicht und der singt nicht;
Der pfeift aus einem andern Ton.
Er stemmt in beide Seiten
Die Arme, bläst die Backen auf
Und bläst und bläst ; und richtig,
Der Apfel wacht erschrocken auf —
Und springt vom Baum herunter
Grad' in die Schürze von dem Kind ;
Das hebt ihn auf und freut sich
Und ruft: Ich danke schön, Herr Wind!
AUGUST KOPISCH,
[1799-1852]
wurde am 20 Mai zu Breslau geboren, besuchte daselbst das Gymnasium und
ging obwohl durch seinen Lehrer Manso dem Studium der Wissenschaft gewonnen,
von unwiderstehlicher Neigung zur Kunst getrieben, 1815 nach Prag und Wien
zum Besuch der dortigen Kunstakademien.
Wenn irgend einer unsrer neueren Dichter bei aller Geteiltheit, zwischen ver-
schiedenen Interessen und Richtungen doch eine ganze, charaktervolle Persön-
lichkeit darstellt, so ist es dieser.
Schon früh teilte sich sein regsamer Geist zwischen der Akademie und
Bibliothek, zwischen der Dichtkunst und Malerei; und hätte nicht ein Übel an
der rechten Hand, welches infolge eines Sturzes auf dem Eise entstand, ihn in
seiner technischen Ausbildung als Maler, die er auf der Prager Akademie begon-
nen h'itte, gehindert, so würde er wahrscheinlich der Malerei nicht entsagt haben.
Später ging er nach Wien, wurde daselbst durch Stephanowitsch mit den Volks-
liedern der Serben bekannt und übte sich nach Art der serbischen des Lesens und
Schreibens unkundigen Improvisatoren im sogenannten Kopfdichten von Balladen
und gröfseren Erzählungen, ohne vorher etwas niederzuschreiben. Der Heilung
seiner Hand wegen reiste er dann nach einem mehrjährigen Aufenthalte in Dres-
den nach Italien; und wie bisher sein Leben zwischen der Dichtkunst und Malerei
geteilt war, so wul'ste er jetzt innerhalb seiner dichterischen Wirksamkeit eben-
sowoll den Lebenshumor und die Gewandtheit italienischer Volkstümlichkeit, als
auch die gerade Gesinnung und das volkstümliche Interesse des Deutschen mit
einander zu verbinden und wurde in allem, was seiner Natur gemäla war , ein
echter Italiener, ohne je aufzuhören, ein Deutscher zu sein. Denn wenn ersieh
auch in Italiens Volksleben und Literarur so sehr versenkte, dafs er eine Samm-
lung von ihm übersetzter italienischer Volkslieder unter dem Titel: »Agrumi"
herausgab und eine zwar reimlose, aber höchst wertvolle Übersetzung der