Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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21. Rechtsï
Zwei reiche Matten zankten lang
Ob zweier Bäume Überhang ;
Denn jede möchte Sonnenschein
Und ihres Baumes Frücht' allein,
Und jede spricht uralten Brauch
Und Zeugnifs selbst der Markung an,
Kraft welcher sie der andren auch
Den Übergang verwehren kann.
Und gäb' es nicht gescheitre Leut',
Sie zankten sich darob/ noch heut'.
Zwei Bäche aber, grundgelahrt
In aller krummen Markung Art,

Die "ge^^ofen, schnell ' /i
Und untersuchftfr^tiftf die Stell'
Und gruben alten Mark^"'
Dai's selbst der Baum darüber brach
Und gruben tief ins Land hinein.
Erlesend auch die kleinsten Stein'
Die Matten aber schwanden gar ;
Denn drob vergingen viele Jahr.
Der Spruch hiels endlich : »Teilet euch
In Recht und Kosten, sie sind gleich."
Die Bäche aber hatten sacht
Das Land ins Trockne sich gebracht.
22. Wiederfinden.
»0 du lieblicher Geselle,"
Sprachen Blumen zu der Welle,
»Eile doch nicht von der Stelle."
Aber jene sagt dawider :
»Ich muls in die Lande nieder,
Weithin auf des Stromes Pfaden,
Mich im Meere jung zu baden.
Aber dann will ich vom Blauen
Wieder auf euch niedertauen."
RUDOLF LÖWEN STEIN.
[1819-
]
wurde zu Breslau geboren, zuerst im Waisenhause zu Bunzlau, dann auf den
Gymnasien zu Glogau und Breslau herangebildet und studierte in Breslau und
Berlin Philologie.
in Berlin trat er im Jahre 1845 mit dem »Kindergarten" auf, in dem
er seine bis dahin für seine K.inder verfal'sten Gedichte zusammenstellt. Dieselben
fanden einen so auTserordentlichen Beifall, dal's man sie mit Recht denen von
Hey an die Seite stellte, und die meisten Aufnahme in Anthologien und Lese-
büchern fanden, welche für die Jugend bestimmt sind. Übrigens steht dem Dichter
auch eine ungewöhnliche Gabe des Witzes und Humors zu geböte. Er ist bekannt
als geistreicher Gelegenheitsdichter und Mitbegründer des ersten deutschen
Witzblattes, des Berliner »Kladderadatsch" aus dem Jahre 1848. Von demMit-
redacteur C. Dohm und Löwenstein ist mehr als ein Gedicht in jenem Witzblalt
zu finden, das zu unseren besten gehört.
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