Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Vermochten nicht, das deutsche Volk zu fassen.
Am rechten Ufer spannten ihr Gezelt
Die Sachsen samt der slav'schen Nachbarschaft,
Die Baiern , die Ostfranken und die Schwaben;
Am linken lagerten die rhein'schen Franken ,
Die Ober- und die Niedcr-Lothringer. —
So war das Mark von Deutschland hier gedrängt.
Und mitten in dem Lager jedes Volks
Erhub sich stolz das herzogliche Zelt.
Da war ein Grüfsen und ein Händeschlag,
Ein Austausch, ein lebendiger Verkehr 1
Und jeder Stamm, verschieden an Gesicht,
An Wuchs und Haltung, Mundart, Sitte , Tracht,
Au Pferden, Rüstung, Waffenfertigkeit,
Und alle doch ein grofses Brüdervolk,
Zu gleichem Zwecke festlich hier vereint!
Was jeder im besondern erst beriet,
Im hüllenden Gezelt und im Gebüsch
Der Inselbuchten, mählich war's gereift
Zum allgemeinen offenen Beschlufs.
Aus vielen wurden wenige gewählt,
Und aus den wenigen erkor man zween,
All beide Franken, fürstlichen Geschlechts,
Erzeugt von Brüdern , Namensbrüder selbst,
Kunrade längst mit gleichem Ruhm genannt, •
Da standen nun auf eines Hügels Saum
Im Kreis der Fürsten, sichtbar allem Volk,
Die beiden Männer , die aus freier Wahl
Das deutsche Volk des Thrones wert erkannt
Vor allen, die der deutsche Boden nährt.
Von allen würdigen die würdigsten,
Und so einander selbst an Würde gleich,
Dass fürder nicht die Wahl zu schreiten schien,
Und dafs die Wage ruht' im Gleichgewicht,
Da standen sie, das hohe Haupt geneigt ,
Den Blick gesenkt, die Wange schamerglüht,
Von stolzer Demut überwältigt.
Ein königlicher Anblick war's, ob dem
Die Thräne rollt' in manches Mannes Bart;
Und wie nun um ihn harrend all die Menge stand.
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