Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Dichtung eine neue Welt auf; er fand hier, was ihn mächtig anzog: frische
Bilder und Gestalten, einen tiefen ahnungsvollen flintergrund, der die Phantasie
beschäftigte. Darum lernte er, um dieser Sagenwelt in ihrer reinen Form habhaft
zu werden, still für sich die nordischen Sprachen und das Altfranzösische. Ein
kleiner Freundeskreis stand ihm zur Seite, darunter J. Kerner, K. Mayer und Leo
von Seckendorf, in dessen Musenalmanach Uhlands erste Gedichte erschienen. Auch
zu einem geschriebenen Sonntagsblatt, das aus Gedichten, Aufsätzen über Poesie,
Satiren u. dgl. bestand und nur einem vertrauten Kreise mitgeteilt wurde, ver-
banden sich die gleichstrebenden Freunde. Als diese später sich zerstreut hatten,
erwarb Uhland sich den Grad eines Doktora der Rechte und reiste dann (1810) rein-
abwärts und nach Paris, wo er auf der Bibliothek die gründlichaten Studien über die
altfranzösiache Heldensage machte. Nach Hause zurückgekehrt, mufste er in die
für ihn wenig erquickliche Advokaten-Laufbahn eintreten, bot seine Gedichte der
Cotta'schen Firma umsonst an, und siedelte 1812 als Sekretiir des Justizminis-
teriums nach Stuttgart über. Seine Geradheit aber konnte ihn beim Minister nicht
sonderlich empfehlen; er erhielt 1814 den gewünschten Abschied uftd kehrte einst-
weilen zur früheren Advokaten-Carriere zurück.
Während des Krieges gegen Napoleon erhob auch Uhland seinen patriotischen
Gesang, mehr aber noch nach dem Kriege. Da sang er seine schneidenden pa-
triotischen Lieder vom guten alten Recht und gegen die deutachen Regierungen,
die dem Volke die verheifeene Verfassung weigerten. Das konnte ihn freilich nach
oben nicht beliebt machen. Dafür hatte er die Freude, als Vertreter seiner Vater-
stadt Tübingen an dem würtembergischen Verfassungswerk thätig mitzuarbeiten.
Aber aus den Stürmen der Gegenwart wandte er den Blick wieder in die Ver-
gangenheit und schuf jene Dramen (Ernst, Herzog von Schwaben und
Ludwig der Bayer), die in stiller Gröfse über den Drang des Augenblicks
erheben, aber dem schauluatigen Publikum nicht genug Handlung vorzuführen
schienen und deshalb von den Bühnen fern gehalten wurden.
Im Jahre 1820 schlofs er seinen Ehebund mit Emilie Viacher, Tochter eines
Kaufmans aua Calw, ab. Mehrmals schlug ihn der akademische Senat zu Tübingen
als Professor der deutschen Sprache vor; die Regierung aber zeigte wenig Lust
den freigesinnten Abgeordneten in den Staatsdienst zu berufen, bis endlich (1829),
als man von einer Berufung nach Bayern sprach, die Bestätigung erfolgte. Nur
einige Jahre las Uhland über die Geschichte der deutschen Poeaie vom 13. bis
16. Jahrhundert, über das Nibelungenlied, über romanische und germaniache Sa-
gengeachichte. Er nahm 1832 wiederum eine Abgeordnetenwahl für Stuttgart an
und erhielt unter dem Ministerium Schlayer die von ihm abermals erbetene Ent-
lassung aua dem Staatadienat, die der König sehr gern zu erteilen geruhte." Von
da ab wandte Uhland seine gewissenhafte und streng wissenschaftliche Forschung
vorzüglich dem deutschen Volksliede und der Sagenforachung zu ; die Früchte
liegen in der planmäfsigen Sammlung der Volkslieder (1844) und in verschiedenen
Aufsätzen vor. Eine Monographie über Walther von der Vogelweide,
jenen mittelalterlichen, unaerm Uhland so gleichgearteten Dichter war bereits
1821 erschienen. Das Jahr 1848 rief den Dichter noch einmal auf den politischen
Kampfplatz, in die Paulskirche zu Frankfurt, er sals dort auf der Linken und
hielt sich zu den Groladeutschen, Als in Berlin der Orden für Kunst und Wis-