Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Mit der schönen , lichten Gabe
Wahrlich nicht der Böse sein,
»Trinke Mut des reinen Lebens!
Dann verstehst du die Belehrung,
Kommst mit ängstlicher Beschwörung
Nicht zurück an diesen Ort.
Grabe hier nicht mehr vei'gebens 1
Tages Arbeit! Abends Gäste!
Saure Wochen 1 frohe Feste 1
Sei dein künftig Zauberwort!"
DER KÖNIG VON THÜLE UND DER SCHATZGRÄBER.
1. Erklärung der Gedichte.
Das eine Gedicht dient dem andern zur Erklärung. Kurzer Bericht über den
Inhalt beider.
1. Der König von Thüle ist »gar treu bis an in das Grab". Wenn aber die
Treue bis in den Tod das Thema des ganzen Gedichts sein sollte, so würde man
leicht einsehen, warum die sterbende Freundin gerade einen Bec/ter zum Anden-
ken hinterlassen habe. In dem Becher liegt die Gemeinschaft der beiden Gedichte.
2. Die Überreichung des Bechers bedeutet so viel, wie wenn die Freundin sagte:
^Trinke Mut des reinen Lebens!" u. s. w. Denn der König war, wenn auch nicht
arm am Beutel, doch krank am Herzen, als er seine Freundin verlor. Darum
konnte sie ihm kein besseres Angedenken hinterlassen. Zu vergl. ist das Gedicht-
chen »Der Becher", in welchen der umgekehrte Tausch stattfindet, statt des
Bechers eine Freundin gegeben wird. (S. No. 118.)
3. Und der alte Zecher hat die Belehrung verstanden: er hat den
Becher als Andenken seiner Freundin lieb gehabt, und sich nie von ihm trennen
mögen.
4. Und als er die letzte Lebensglut getrunken hat, ist ihm auch sogleich der
Tod willkommen, wie es im Schwager Kronos heifst: »Trunken vom letzten
Strahl, reifs mich, ein Feuermeer mir im schäumenden Aug', mich Geblendeten,
Taumelnden, in der Hölle nächtliches Thor."
11. Vergleichung mit den anakreontischen Dichtern, welche Wein und Liebe
besingen. Dabei sind besonders die Lieder im Schenkenbuch des westöstli-
chen Divans zu berücksichtigen, z. B. »Wenn man nicht trinken kann, soll
man nicht lieben, Wenn man nicht lieben kann, soll man nicht trinken. — So
lang man nüchtern ist, gefällt das Schlechte, wenn man getrunken hat, weifs man
das Rechte." Was Trunkenheit und was Liebe bedeuten, ist daraus leicht zu
erkennen.