Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Graf, im Augenblick, da Feinde sein Schlofs einnehmen, entflieht, nachdem er
seine Schätze vergraben, ein Töchterchen in den Mantel gewickelt mit forttragend,
V. 3. Er geht in die Welt, unter der Form eines hilfsbedürftigen Sängers. Das
Kind, eine schätzbare bürde, wächst heran.
V. 4, Das Hinschwinden der Jahre wird durch Entfärben und Zerstieben des
Mantels angedeutet: auch ist die Tochter schön und grofs geworden, eines solchen
Schirmes bedürfte sie nicht mehr.
V. 5. Ein fürstlicher Kitter kommt vorbei; anstatt der edehchönen Hand ein
Almosen zu reichen, ergreift er sie, werbend, der Vater gesteht die Tochter zu.
V. 6. Getraut, scheidet sie ungern vom Vater; er zieht einsam umher. Nun
aber fällt der Sänger aus seiner Rolle, er ist es selbst; er spricht in der ersten
Person, wie er in Gedanken Tochter und Enkel segne.
V. 7. Er segnet die Kinder, und wir argwöhnen, er sei nicht allein der Graf,
dessen der Gesang erwähnte, sondern dies seien seine Enkel, die Fürstin seine
Tochter, der fürstliche Jäger sein Schwiegersohn. Wir hoffen dasBe-rte; aber bald
werden wir in Schrecken gesetzt. Der stolze, hochtahiende, heftige Vater kommt
zurück ; entrüstet, dafs ein Bettler sich ins Haus geschlichen, gebietet er, densel-
ben ins Verliefs zu werfen. Die Kinder sind verschüchtert, die herbeieilende Mut-
ter legt ein freundliches Vorwort ein.
V. 8. Die Knechte getrauen eich nicht, den würdigen Greis anzurühren; Mutter
und Kinder bitten; der Fürst verbeifst nur augenblicklich seinen Zorn. (Dies
würde auf dem Theater ein glückliches Bild machen.) Aber ein längst verhsltener
Grimm bricht los; im Gefühl seiner alten ritterlichen Herkunft hat es den Stolzen
heimlich gereut, die Tochter eines Bettlers geehelicht zu haben,
V, 9. Schmählich verachtende Vorwürfe gegen Frau und Kinder brechen los.
V. 10. Der Greis, der in seiner Würde unangetastet stehen geblieben, eröffnet
den Mund und erklärt sich als Vater und Grofsvaler, auch als ehemaliger Herr
der Burg, das Geschlecht des gegenwärtigen Besitzers hat ihn vertrieben.
V. 11. Die nähern Umstände klären sich auf; eine gewaltsame Regierungsver-
änderung hatte den rechtmälsigen König, dem der Graf anhing, vertrieben und
80 auch seine Getreuen,die nun bei wieder hergestellter Dynastie zurückkehrten.
Der Alte legitimiert sich dadurch als Hausbesitzer, dafs er die Stelle der \ergra-
benen Schätze anzudeuten weifs, verkündigt übrigens eine allgemeine Amnestie
sowohl im f^eiche, als im Hause, und alles nimmt ein erfreuliches Ende.
Ich wünsche den Lesern und Sängern das Gedicht durch diese Erklärung ge-
nieföbaier gemacht zu haben, und bemerke noch, dafs eine, vor vielen Jahren
mich anmutende, altenglische Ballade, die ein Kundiger jener Literatur
vielleicht bald nachweist, diese Darstellung veranlafst habe. Die Gegenstand war
mir sehr lieb geworden, auf den Grad, dafs ich ihn auch zur Oper ausarbeitete,
welche, wenn schon der entworfene Plan teilweise ausgeführt war, doch, wie so
manches andre, hinter mir liegen blieb. Vielleicht ergreift ein Jüngerer diesen
Gegenstand, hebt die lyrischen und dramatischen Punkte hervor und drängt die
epischen in den Hintergrund. Bei lebhafter, geistreicher Ausführung von Seiten
des Dichters und Komponisten dürfte sich ein solches Theaterstück wohl gute
Aufnahme versprechen.