Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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achend in die Luft gestreut. Der Witz kennt nichts Heilig-
tes, er achtet, glaubt und hofft nichts. Er hat auch keine Lei-
enschaft. »Apfeltörtchen," sagt Heine, »waren früher meine Passion, jetzt sind es
Liebe, Freiheit, Wahrheit und — Krebssup pe." Sapienti sat. —
Am 1. Januar 1856 lautet seine Unterschrift in einem zärtlichen Gratulations-
chreiben an Madame Krinitz
NEßUKADNEZAR 11,
ehemaliger -preufsischer Atheist, jetzt Lothoshlumenanheter.
Vergleichen wir den Dichter Heinrich Heine mit seinem bedeutendsten Zeitge-
lOBsen, mit Alfred de Musset, dessen Verse auf seinem Krankenbett sich
orlesen zu lassen »ihm (nach dem Bericht eines Besuchers) stets ein Bedürfnils
' war" und von dem er in seinen Pariser Gedichten nebenbei gesagt sehr viel
^ jelernt hat : so hat Musset die sinnliche Liebe ebenfalls geschildert und weit
^ -euriger und hinreiszender als jemals der deutsche Poet, aber er läfät die Helden
seiner Venusberge stets tragisch enden. Er schildert die Verzweiflungen der sinn-
lichen Liebe wie in jenem Meisterwerke :
Ce que Don Juan aimait, Hassan aimait peut-être :
Ce que Don Jean cherchait, Hassan n'y croyait pas.
oder în Suzon oder in Rolla.
Und er weifs ganz ebenso die zartesten Regungen der reinsten Neigung zu be-
lauschen und darzustellen, wie in jener unsterblichen Idylle: A quoi rêvent
esjeunes filles.
Ebenso lauter ist sein Patriotismus wie sein Gedicht auf die Geburt des Grafen
von Paris, seine Stanzen auf den 13. Juli 1843, die Satire »Sur la paresse*' und
vieles andere beweist.
»Heine ist ein Renegat seiner Religion, ein Renegat Deutschlands, *), wo er
geboren, und von dem er sich^ statt an seinem Aufbau mitzuwirken, ohne Grund
exilierte; er wurde auch zum Renegaten der Poesie, indem er'das ewige Ethos
der Kunst verleugnete, und nur in seinen sublimsten Gebilden schuf er über ihn
selbst hinausweisende Meisterwerke, sodafs jene Verse doch auch für ihn wahr
sind, mit denen er von Madame Krinitz und vom Leben Abschied nahm :
........Kein Wiedersehn
Gibt es für uns in Himmelshöhn.
Die Schönheit ist dem Staub verfallen.
Du wirst verstieben, wirst verhallen.
Viel anders ist es mit Poeten,
Die kann der Tod nicht gänzlich töten ;
Uns trifft nicht weltliche Vernichtung,
"Wir leben fort im Land der Dichtung,
In Avalun, dem Feenreiche —
Leb wohl auf ewig, schöne Leiche I
1) >Die mysteriöse Frau, welche der sterbende Heine liebte." (Ed. Griaebach).
2) Vergl. das Urteil des berühmten Aesthetikers Th. Vischer in der Biographie Uhlands.