Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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»materiellen Elende herauszuziehen und auf Erden zu beseligen, seit-
»dem — sie verstehen mich. Und die Leute werden uns schon verstehen, wenn
»wir ihnen sagen, dafs sie in der Folge alle Tage Rindfleisch statt Kartoffeln essen
»sollen und weniger arbeiten und mehr tanzen werden."
Womit wir bei der Commune glücklich angelangf; wären, fährt Grisebach fort,
über deren bevorstehenden Kampf Heine in den französischen Zustän-
den sich also vernehmen läfst:
»Der Kommunismus ist der düstre Held, dem eine grofse Rolle in der modernen
»Tragödie beschieden ist und der nur des Stichworts harrt, um auf die Bühne zu
»treten .... Für den Kommunismus ist es ein unberechenbar günstiger Umstand,
»dafs der Feind, den er bekämpft, bei all seiner Macht dennoch in sich selber
»keinen moralischen Halt besitzt. Die heutige Gesellschaft verteidigt sich nur
»aus platter Notwendigkeit, ohne Glauben an ihr Recht, ja ohne Selbstachtung."
Und Heine dachte hiebei keineswegs etwa ausschliel'slich an Frankreich, son-
dern hatte vielmehr Deutschland ganz ebenso im Auge, wie sein bekanntes socia-
listisches Gedicht auf die deutschen Weber beweist,
Zum Schlafs sei es mir vergönnt, Heine's selbsteigene Ansicht über die Bedeu-
tung des Witzes für die Gegenwart zu eitleren:
»Es gibt," sagt er, »trockene Leute in der Welt, die den Witz gern proscri-
»bieren möchten, und man kann täglich hören, wie Pantalon sich gegen diese
rniedrigste Seelenkraft, den Witz zu ereifern weifs und als guter Staatsbürger
»und Hausvater die Polizei auffordert, ihn zu verbieten. Mag immerhin der Witz
»zu den niedrigsten Seelenkräften gehören, so glauben wir doch, dals er sein Gutes hat.
»Seitdem es nicht mehr Sitte ist, einen Degen an der Seite zu tragen, ist es
»durchaus nötig, dafs man Witz im Kopfe habe. Und sollte man auch noch so
ȟbellaunig sein, den Witz nicht blofs als notwendige Wehr, sondern sogar als
nAngriflsWaffe zu gebrauchen, so werdet darüber nicht allzusehr aufgebracht, ihr
»edlen Pantalone des deutschen Vaterlandes. Jener Angriffswitz, den ihr Satire
»nennt, hat seinen guten Nutzen in dieser schlechten nichtsnutzigen Zeit. Keine
»Religion ist mehr im Stande, die Lüste der Erdenbeherrscher zu zügeln, sie ver-
»höhnen euch ungestraft, und ifire Rosse zertreten eure Saaten; eure Töchter
»hungern und verkaufen ihre Blüten dem schmutzigen Parvenü, alle Rosen dieser
»Welt werden die Beute eines windigen Geschlechts von Stockjobbern und be-
»vorrechteten Lakaien und vor dem Übermut des Reichtums und der Gewalt schützt
»euch nichts als der Tod und die Satire."
Diese Satire nun, sagt Job. Scherr, dieser Angriffswitz, tritt bei Heine mit un-
erhörter Kühnheit auf. Wie sie das eigene Selbst, das eigene Denken und Fühlen
verhöhnt, wie sie jeden zartesten und begeistertsten Herzenslaut durch Anhängung
eines schneidenden Lachtrillers wieder aufhebt, so vernichtet sie überhaupt das
Ideelle, Erhabene, Rührende, überschwengliche durch den Zusammenstofs mit dem
Realen, Komischen, Gemeinen und Cynischen. Die Liebe, die weibliche
Schönheit, die Beiitimentale »J ugend e sei ei", die Freiheit,
der Patriotismus, der Enthusiasmus, d i e S i 111 i c h k e i t, d i e
Idee, die Philosophie, die Politik, die Unsterblichkeit, die
Religion, Alles wird in dieser Werkstätte des zerstörenden
Witzes zerschnitten, zerfressen, zu Staub gerieben und
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