Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Wi
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Themensammlungen füllen, bei der übewiegenden Mehrzahl von Schülern
ordinäre Gedanken in ordinärer Sprache ; und alle Vei-suche sie zu einem
tiefern Eindringen in das Thema, zur Sorge für einen gebildetem Ausdruck
zu bringen, blieben fruchtlos. Ich suchte die Schuld in den Schülern, ich
suchte sie in mir ; und ich that beiden Teilen Unrecht. Endlich kam ich
auf die Vermutung, dafs doch wohl in den Themen selbst der eigentliche
Grund liegen möchte. Sofort versuchte ich grofse Dichter, indem ich in
sie in weit ausgedehnterem Mafse als früher einführte, die Lehrer- und
Erzieherstelle übernehmen zu lassen. Längere Zeit hindurch gab ich gar
keine schriftlichen Arbeiten, sondern liefs nur mündliche, vorher ausgear-
beitete Vorträge halten, die sich blofs auf den Gang und die Charaktere
in 'einigen wenigen grofsen Meisterwerken bezogen; bei der nächsten
schriftlichen Arbeit, in welcher noch nicht zur Sprache gekommene Cha-
raktere in einem nur dem Inhalt und Gange nach referierten Werke zu
behandeln waren, zeigte sich der Stand fast der ganzen Klasse wesentlich
verändert. Die Fertigkeit der Auffassung fand ich bei nicht wenigen, so
bei der Beantwortung der aufgestellten Fragen, wie bei Aufwerfung und
Lösung eigner, oft viel weiter entwickelt, als ich zu hoffen gewagt hatte,
und die meisten der andern wurden von den Commilitonen nachgezogen ; —
Über Erwarten schnell hatte der Ausdruck, ich kann sagen bei allen, ohne
etwa ins Gezierte oder Gespreizte zu verfallen, einen höhern Charakter an-
genommen ; bei den Fähigem konnte ich zu meiner freudigsten Überraschung
Fülle, ^Kraft, Lebendigkeit, Adel und Würde der Darstellung (natürlich nur
in dem Mafse, als diese höhern Vorzüge bei Schülern, die nicht durch ein
ganz ausgezeichnetes Talent über die Leistungsfähigkeit ihres Alters hinaus-
gehoben werden, möglich sind) wahrnehmen, während ich früher über ma-
gern, matten, leblosen, ordinären und haltungslosen Aasdruck zu klagen
gehabt hatte. Bei keinem auch der weniger Begabten war eine merkliche
Besserung ausgeblieben. —
Dieselbe Erfahrung wird, ich spreche dies mit vollster Überzeugung, weil
das Resultat ein notwendiges, in der Natur der Sache selbst begründetes
ist, jeder andre Lehrer, der sie noch nicht kennen sollte, machen, wenn
er in ähnlicher Weise verfahren wollte.
Bei vorgerückter Entwickelung des Geistes werden auch Themen über
Stücke, die in der Schule nicht gelesen sind, gegeben, worin zugleich die
beste Kontrole der Privatlektüre liegt.
Wenn der Schüler auf diese Weise nach und nach zu Höhen, die eine
immer weitere Umsicht verstatten, geführt werden, so wird ihm die Ge-
gchichte der Entstehung der in der Schule oder privatim gelesenen Werke,
der Nachweis ihres Zusammenhangs mit der Weltansicht des Dichters und
mit seinem Bildungsgange, — Erörterungen, die natürlich dem Lehrer