Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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72. Mittel gegen den Hochmut der Grofsen.
Viel Klagen hör' ich oft erheben
Vom Hochmut, den der Grofse übt.
Der Grofsen Hochmut wird sich geben.
Wenn unsre Kriecherei sich gibt.
HEINRICH HEINE.
(1799—1856)
Zu der Biographie in »Deutsche Prosa" füge ich folgendes Urteil J.
B. Kousseau's in seinem Kunststudien (1834) und einige andere Beiträge zur bes-
seren Beurteilung hinzu:
»Dieses Herz ist wirklich ein gutes und treu biederes, wie ich selten eins auf
Erden gefunden; aber der Dichter schämt sich seiner Gutmütig-
keit, er will absichtlich seinen Zeitgenossen eckig, wild
und verdorben erscheinen, und die Sucht, sich selbstin
einem schlimmen Lichte d a r z u s t e 11 en, i s t b i s z u r S chwach-
heit in ihmaufgereift. Es geht ihm, wie manchen Männern, die sich
schämen, wenn sie einmal geweint haben, weil es, wie Schlegel mit Recht be-
merkt, Menschen gibt, die nicht ohne widerliche Verzerrungen weinen können,
wenn ihr Gefühl auch das mildeste und edelste wäre. Aus dieser unedeln
Scham, ein sanftes und r ü h r e n d e s G ef ü h 1 p r e i s g e g e b e n z u
haben, entsteht bei Heine das Bestreben, der Aussprache des
Heiligsten eine kleine Lästerung nachzusenden, seinem
Amor immereine Schellenkappe oder seiner Grazie den
Klumpfufs beizugeben. Sein Lob wird Ironie, sein Tadel
Humor, jede Zusammenstellung ist Witz, auf Liebefolgt
Hohn, auf Entzücken Schlangenbifs oder doch der schwel-
lende Stich der Wespe — und dies Alles ausgesprochen in Liedern, die
auf das geheimste Seelenleben des Verfassers anspielen."
Übrigens gewinnt die Ansicht, dafs das in Heines Dichtungen beharrlich bis
zum Ende hervortretende frivole Element nicht minder in der Subjektivität des
Dichters, als in dem Grundcharakter der Zeit selbst, der es angehörte, zu suchen
sein dürfte.
Zur Erklärung jenes psychologischen Rätsels citiert Heines Biograph Adolf Stodt-
mann folgende Stelle aus des Philosophen Fichte 17. Vorlesung über die Grund-
züge der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts :
»Selten ist der Mensch so glücklich, dafs ihm die reine Gedankenlosigkeit
»zu teil wird. Kann er aber dem Andrang der Gedanken nicht widerstehen, so
»bleibt ihm nichts übrig, als die absolute Gedankenlosigkeit mit Freiheit zu seiner
»Maxime zu machen und in sich die rechte Weisheit zu setzen. Die Narrheit,
»nach einem Giunde zu fragen, unterdrückt dieser Weise, und will das nicht
1) Siehe Dr. Schwan: Gesch. der deutschen Literatur S. 317.