Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Menschen Empfindungen, Abstraktionen von Empfindungen, müfgten jene Gedichte
enthalten, wenn sie etwas wert sein sollten."
Herder, übrigens decidierter Gegner Schillers, im Leben wie in der Literatur,
gab seinem Urteil über den Wert von Bürgers Gedichten noch im Jahre 1798
Öffentlich Ausdruck, als er die Althoff'sche Biographie besprach. Bürger wenig-
stens liefs er nicht fallen, wie er den unglücklichen Lenz fallen liefs.
Wie Goethe Bürgers erste lyrische Anfänge freudig begrüfst (Frank-
furter gelehrte Anzeigen des J. 1772), so gedachte er dieses »an- und eingebore-
nen Talents" noch im Alter (1824) mit wohlverwandter Teilnahme (in einem
Briefe an Reinard).
Zum Schlüsse noch folgender gewifs berechtigter Wunsch des Eduard Gri-
sebach, von dem Edm. HÖfer sagt, er sei ein Dichtergeist, der wenn irgend
einer, auf das lebhafteste an H. Heine erinnere, er sei wohlverstanden nicht blofs
etwa ein besonders glücklicher Nachahmer desselben, sondern man mochte glauben,
dafs von Heine's Geist hier etwas wieder in einem späteren erwacht sei, — voll
solcher Frische und Keckheit, voll solcher Innigkeit, solcher Grazie und solchen
Übermutes sprechen uns viele seiner Gedichte (Der neue Tanhäuser) an. Dieser
sagt nun:
»Möchten die künftigen Herausgeber ausschliefslich die Ausgaben letzter Hand
von 1789 zu Grunde legen. Möchten sie aber auch erwägen, was Herder in
seiner Recension der Althoff'schen Biographie sagte : »Bürgers Leben ist
in seinen Gedichten; diese blühen als Blumen an seinem Gra-
be; weiter bedarf er, dem in seinen Leben Brot versagt ward,
keines steinernen Denkmals. Möge eine freundschaftliche Hand Bür-
gers Gedichten ihre Flecken nehmen und eine Ausgabe solcher g e w ä h 11 e r
Stücke zum bleibenden Ruhm des Dichters veranstalten !" — und was Bürger
selbst fünf Jahre vor seinem Tode geschrieben: »Es möge daa
echte poetische Gold seiner Gedichtsammlung, welches vermutlich nur wenige Bo-
^en fasse, ausgebrannt und von den Schlacken gereinigt werden, welche deutschen
Geist und Geschmack vor Gegenwart und Zukunft entehren könnten'*, wobei ihm
des Cervantes Ausspruch in dem berühmten sechsten Kapitel des ersten Bandes
seines Hauptwerkes vorgeschwebt zu haben scheint: »Ein Foliant-Schatz verschie-
dener Dichtungen. Wenn es ihrer nicht so viele wären, wären sie mehr wert;
man müfsto daa Buch erst durchsieben und von den Schlacken reinigen, die sich
unter den erhabenen Stücken befinden."
>) Jugendfreund Goethes in Strafsburg, s. Goethe, Aus meinem Leben, Wahr-
heit u, Dichtung III Teil, 11 u. 14, Buch und Biographische Einzelheiten: Lenz.
2) Bürger schreibt am 20 April 1789 an Boie : »Du glaubst nicht, wie gleich-
gültig mir die meisten meiner Gedichte, ein Dutzend etwa ausgenom-
men, sind. Ich hätte schon dieses Mal (bei der 2. Ausg.) ein unbarmherziges
Gericht ergehen lassen, wenn es nicht auf Korpulenz angesehen gewesen wäre."