Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Das Sonett endlich hat Bürger nach langer Ruhe wieder aufgenommen und
zu einer Vollendung erhoben, die noch heute nicht übertroffen ist.
Mit einem Worte, der elf Jahr jüngere Schiller, der in einer bittern Recension
Bürger herab- und sogar unter den Vers- und Reimspieler Matthisson setzte^
hat Bürger weder von seiner Stelle in unserer Poesie^ noch aus dem Herzen
seiner Nation zu verdrängen vermocht^ sondern zeigt nur, wie auch ein grofser
Geist sich einmal verirren und zur vollen Ungerechtigkeit steigern kann.
{Edm. Höfev),
bürger hat sich selber sein Urteil gesprochen und seine Grabschrift geschrieben
in den wundervollen, herzergreifenden Zeilen
Zwar ich hätt* in Jünglingstagen
Mit beglückter Liebe Kraft,
Lenkend meinen Götterwagen
Hundert mit Gesang geschlagen,
Tausende mit Wissenschaft.
Doch des Herzens Loa, zu darben,
Und der Gram, der mich zerzehrt,
Hatte Trieb und Kraft zerstört;
Meiner Palmen Keime starben
Eines besseren Lenzes wert.
Joh. Scherr sagt von Bürgers Gedichten, dafs sie »durch glückliche Wahl
dos Stoffes, durch Bestimmtheit der Zeichnung und Lebendigkeit der Malerei,
Leichtigkeit des Versbaues und volkstümliche Frische der Sprache nun schon so
vielen Generationen Phantasie und Gemüt ergriffen haben und dem Namen
ihres Dichters nicht blofs eine bibliothekarische, sondern
cineim Herzen und Mund des Volkes lebendige Unsterbli ch-
keit sichern''
»Bedauern müssen wir den hochbegabten unglücklichen Dichter, der sich nicht
»zu erheben wufste über Lebensnot und Lebenspein. Nur zu hart urteilte über
»ihn Schiller in seiner bekannten Recension; und andern Criticis möchten wir
»Bürgers eigene Worte zurufen :
»Kein Herz gibt dir mehr Stoff zum Sprechen,
Keins zu Kritiken mehr als meins.
Gern wollt' ich mich an deinem rächen,
0 Krittler, hättest du nur eins!"
(W. Götz).
Zum Schlufse noch einiges über Schillers Recension.
Die Recension über Bürgers Gedichte in der Allgem. Literatur-Zeitung
von 1791 erschien anonym, ist aber noch im Jahre 1802 von Schiller aus-
drücklich gut geheilsen und von ihm in seine Werke aufgenommen worden
Schiller ging in dieser Recension von dem allgemeinen Begriff des Dichters aus,
der die Sitten, den Charakter, die ganze Weisheit der Zeit in seinem Spiegel
sammeln müfae: ein Ideal, dem Bürger in der That nicht entsprach und nicht
entsprechen konnte. Allein Schiller erläuterte hior nur den Ausspruch Hamlets,
»das Schauspiel solle der Natur gleichsam den Spiegel vorhalten, den Körper der