Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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78 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
und Theologie, der Philologie und Geschichtswissenschaft und der
Pädagogik, an welchen Herren wahrlich kein Mangel herrscht,
nicht hinwegdisputieren können. Die gegenwärtige Gegenwart
wird noch verständlich durch die Vergangenheit, nicht blofs hin-
sichtlich der Kulturelemente als solcher, in der und der Gegeben-
heit, sondern auch bezüglich ihrer Zusammensetzung. Die Zukunft
wird in dieser Beziehung die Kenntnis der Vergangenheit ent-
behren können; ebenso wie die Menschen des Mittelalters, nachdem
die Stürme der Völkerwanderung ausgetobt hatten und die Völker
in ihren neuen Wohnsitzen zur Ruhe gekommen waren, um die
Art der Zusammengesetztheit der antiken Kultur sich nicht zu
kümmern brauchten, sondern die von da überkommenen Kultur-
elemente aus eigener Kraft mit dem neuen, dem orientalisch-christ-
lichen und dem altnationalen verbanden und sich auf diese Weise
eine neue Kultur schufen.
Diese, wie ich sie nennen möchte: Schöpfungs-Stimmung, gilt
es, im Erziehungsziele bereits zum Ausdruck zu bringen, wenn
es sich wie hier darum handelt, eine neue Erziehungslehre zu ver-
kündigen, eine Erziehungslehre geeignet für Erzieher, die den Blick
auf das Künftige richten, die Ernst damit machen, über all den
Schutt und Moder, der sich aufgehäuft, kühn hinwegzuschreiten,
das alt und morsch Gewordene ruhig dem Verfalle anheimzugeben,
und die Überlebtes nicht immer künstlich wiederbeleben wollen, um
sich das Wohlwollen und den Beifall der gegenwärtigen Macht-
haber und ihrer mancherlei Vasallen zu verdienen. Darum eben
entlehnen wir, wie gesagt, das Erziehungsziel weder der Religion
noch der Ethik, sondern der Biologie und zwar der angewandten
Biologie, wie ich die Beziehungs-Gruppe nennen kann, welche
ich zuvor als allgemein-kulturelle bezeichnete. Der Haupt- und
letzte, von der Natur selbst gewollte Zweck aller mensch-
lichen Beziehungen besteht demnach in der Erhaltung und
Vervollkommnung des Lebens überhaupt, der Gattung im
besonderen. Wir können diese Tendenz des Lebens in ihrer rast-
losen Wirksamkeit verfolgen durch die Äonen der Vergangenheit,
durch alle die zahllosen Generationen von Lebewesen, welche unsere
Erde bevölkert haben bis auf die Gegenwart. Ganz unten die Urzelle,
das Erstlebendige, das noch nicht Tier, nicht Pflanze ist; dann die
Zellengemeinschaft, die als Volvoxkugel durch das Wasser schwimmt;
von ihr aus ein allmähliches Hinaufgipfeln zur Pflanze einer-, durch
Gliederung in Magen und Haut zum Tier anderseits, zur Gasträa
zunächst, zum Urmagentier und dann weiter hinauf, immer hinauf.