Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 11. Festsetzung des Erziehungszieles. 77
eine Naturbeschreibung gekannt und gehabt haben; dafs jener
Auftauchen eine riesige Umwälzung in unserer Weltanschauung
hervorgerufen hat, eine Umwälzung, wie sie noch niemals in der
Entwickelung der Menschheit, soweit wir sie zu überschauen im-
stande sind, dagewesen ist, die man etwa nur mit der durch den
Zusammenbruch der antiken Welt herbeigeführten vergleichen
kann, und die eine ganz neue Wertung und somit Gruppierung
der alten Kulturbestandteile zur Folge hat. Denn von dem neuen,
dem naturwissenschaftlichen Kultur-Element ist, wie immer wieder
betont werden mufs, unsere Gesamt-Weltauffassung bedingt, indem
sie durch dasselbe gänzlich umgestaltet worden ist, und daher
wirkt es unablässig auch als Ferment bei der Um- und Neuge-
staltung unserer ganzen Kultur. Denn wir sind natürlich eifrig
bestrebt, die Verhältnisse mit unserer neuen Weltanschauung in
Einklang zu bringen. Solange das uns nicht gelingt, solange sind
wir unbefriedigt, fühlen wir uns unglücklich und elend. Aus dem
Zwiespalt von Weltauffassung und Weltwirklichkeit geht eine
weittragende Verstimmung hervor, folgt Nervosität, resultiert das,
was wir als Dekadenz bezeichnen. Man sucht sich wohl bisweilen
über die gähnende Kluft, über das Gefühl des Unbehagens und der
Verzweiflung hinwegzutäuschen, durch raffinierten Genufs, aber
selbstverständlich ganz vergebens. Vielmehr ist bei solch raffi-
niertem Geniefsen ein ungeheurer Katzenjammer die unvermeidliche
und das Übel noch verschlimmernde Folge, indem man dann um
so schmerzlicher und bitterer die Leere und Ode des Lebens, die
Zerrissenheit und Zerfahrenheit der Verhältnisse empfindet.
In einer solchen Übergangszeit befinden wir uns jetzt mitten
inne; denn das ist eben blofs eine Übergangszeit. Freilich ist
überhaupt jeder Zeitabschnitt nur Ubergangszeit, aber im be-
sonderen Sinne als Übergangszeit, als Übergangszeit Kar è§o/ijv
bezeichnet man eine solche Periode, in der ein geistiger Gärungs-
prozefs sich vollzieht, der eine von der Vergangenheit in wesent-
lichen Stücken abweichende Zeit heraufzuführen geeignet erscheint.
Die Vergangenheit kann uns in solchen Epochen keine Finger-
zeige für die Neugestaltung der Dinge geben oder doch nur sehr
geringfügige. Wir müssen der Hauptsache nach auf eigenen Füfsen
stehen. Die alte Welt sinkt in Trümmer, und die neue müssen
wir uns aufbauen, ohne viel uns um jener Beschaifenheit zu
kümmern. Der Bauplan der alten Welt kann nicht mafsgebend
für die neue sein; denn in unserem Falle fehlt derselben das
naturwissenschaftliche Element, das alle Scholastiker der Philosophie