Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
76 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
das, was frühere Generationen geleistet haben. Die neue Welt-
anschauung, zu der wir uns bekennen, hat eine Verachtung des
Geschichtlichen ganz und gar nicht zur Folge. Sie ergiebt im
Gegenteil wie die Bindung des Menschen an das Ganze der
sinnlich-geistigen Umgebung so auch an die Folge der Zeiten.
Denn die Krone der Entwickelung, die Kultur, ist ja nicht das
Werk des Augenblicks, sondern der Geschichte. Aber freilich
bedeutet uns diese geschichtliche Bindung nicht, dafs man die je-
weilige Gegenwart auf gewisse einzigartige, aus der Vergangenheit
hervorragende Punkte stützen solle; sondern es gilt, das Ganze
der Bewegung mit seinem stetigen Fortschritte aufzunehmen und
fortzuführen und zwar in einer Weise fortzuführen, dafs dabei
etwa neu auftretende Faktoren der Entwickelung berücksichtigt
werden. Es ist ganz sicher, dafs wir unsere Gegenwart nur ver-
stehen können, wenn wir die Vergangenheit kennen. Betrachten
wir unsere gegenwärtige nationale Kultur, und analysieren wir
dieselbe, so finden wir, dafs sie ein Amalgam aus verschiedenen
Kultur-Elementen ist. Vor allem verdankt sie ihr Gepräge drei
solchen Elementen, nämlich dem eigentlich nationalen, dem germa-
nischen, das die feste Vererbungs-Basis repräsentiert, ferner dem
orientalisch-christlichen und dem antik-klassischen, die als Varia-
tions-Faktoren gewirkt haben. Diese drei Elemente sind im Ver-
laufe der Jahrhunderte eine innige Verbindung miteinander ein-
gegangen, und sie haben sich zudem in dieser Zeit auf Grund
der natürlichen Entwickelung mannigfach weiter entwickelt. Wir
müssen also, um unsere Gegenwart zu verstehen, diese Elemente
genau kennen lernen und zusehen, wie eins zu dem anderen ge-
kommen ist, wie sie aufeinander gewirkt und sich fortentwickelt
haben. Auch darauf müssen wir achten, dafs im Laufe der Zeit
zu diesen drei Hauptelementen noch manche andere, mehr oder
weniger nebensächliche hinzugekommen sind und mit jenen sich
ebenfalls amalgamiert, auf sie ebenfalls in dieser oder jener Hinsicht
umbildend eingewirkt haben. Kurz und gut: unsere gegenwärtige
Kultur ist keine einfache, sondern eine sehr zusammengesetzte
Gröfse, ein Produkt aus sehr vielen Faktoren, die wir nur kennen
lernen können mit Hilfe des Studiums der Geschichte. Aber jetzt
ist zu deu ehemaligen Elementen noch ein neues hinzugekommen
und zwar ein solches von aufserordentlicher Bedeutsamkeit; es ist
dies ein solches, das wir der Naturwissenschaft verdanken, das ich
geradezu als naturwissenschaftliches bezeichnen möchte. Ich sagte
zuvor schon, dafs wir bisher keine Naturwissenschaft, sondern nur