Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 11. Festsetzung des Erziehungszieles. 75
Ziehungen sich gewisse normative Bestimmungen bezüglich des
menschlichen Willens und Handelns ergeben; aber das bedingt
noch keineswegs, wie man meinen könnte, einen ethischen
Charakter derselben. Wo immer Beziehungen zwischen den
Menschen bestehen, da drängen dieselben zu Normen für den
Willen und das Handeln hin. Eine normative Tendenz wohnt
den politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Beziehungen so gut
inne wie den sittlichen. Betrachtet man trotzdem den normativen
Charakter als spezifisch ethisches Kennzeichen, so kann man kon-
sequenterweise aufser der Ethik überhaupt nichts anderes aner-
kennen, wo es sich um Beziehungen von Menschen handelt. Da
solche Konsequenz offenbar zu weit, zu ünzuträglichkeiten und
zu Konfusion führen würde, indem sie alle Grenzen zwischen den
verschiedenen Lebensgebieten und ihrer theoretischen Bearbeitung
verwischen würde, thut man gut, nur die um das Mitgefühl kon-
zentrierte Beziehungs-Gruppe unter dem Begriff Ethik zusammen-
zufassen. Sicher zeichnet sie sich durch die besondere Stärke
ihrer normativen Tendenz aus. Da das nun freilich ebenfalls für
die allumfassende, die allgemein-kulturelle Beziehungs-Gruppe gilt,
so könnte man dieselbe vielleicht, wie ich dies auch in früheren
Schriften gethan habe, unter den Begriff „Ethik im weiteren und
höheren Sinne' subsumieren; im Gegensatze dazu würde dann
das Gebiet des eigentlich Sittlichen als „Ethik im engeren und
niederen Sinne' zu bezeichnen sein.
Sehen wir davon jedoch zunächst ganz ab, so ist eben zu
sagen, dafs sowenig wie die Religion die Ethik zur pädagogischen
Zwecksetzung und Zielbestimmung verwandt werden kann. Denn
der Zögling mufs mit allen Aufgaben des Lebens bekannt und
tüchtig gemacht werden, an ihrer Lösung mitzuarbeiten. Somit
müssen wir uns an eine Wissenschaft wenden, welche das Leben
in seiner Totalität untersucht und durchforscht, und das eben ist
die Biologie, die Lebenslehre, natürlich im weitesten Sinne des
Wortes genommen. Dafs man früher sich nicht an sie hielt, das
können wir den älteren Pädagogen nicht zum Vorwurfe machen;
denn früher existierte diese Wissenschaft noch nicht. Wohl aber
können wir von den heutigen verlangen, dafs sie dieselbe nicht
ignorieren, und wenn sie es dennoch thun, so sind wir dazu be-
rechtigt, sie des Zurückgebliebenseins zu zeihen. Man wirft uns
neueren Pädagogen häufig TJnbescheidenheit, Mangel an Ehrfurcht
vor den früheren Leistungen, Verachtung der Überlieferung vor.
Sehr mit Unrecht! Wir verachten weder die Überlieferung noch