Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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74 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
scheinungsformen des Lebens; sie umspannen nicht das ganze
Leben: aus ihnen können daher nicht seine Aufgaben in ihrer
Allgemeinheit bestimmt werden. Aus der Religion auf keinen
Fall; denn sie hat es mit den Beziehungen des Menschen zum
Übersinnlichen, zu dem jenseits aller Erfahrung liegenden Gebiete
zu thun. Und auf diesem hört alles Wissen auf, hier handelt es
sich einzig und allein um Glauben. Die Pädagogik aber
mufs durchaus auf dem sicheren Boden des Erfahrungs-
mäfsigen, des Wissens bleiben, wenn sie nicht ins
Bodenlose sinken und ihren Anspruch darauf, eine
Wissenschaft zu heifsen, verlieren soll. Darum ist die
Religion, die, wie gezeigt, nur als eine Abart des auf der
Phantasiethätigkeit beruhenden künstlerischen Gestaltens, des
ästhetischen Schaffens zu betrachten ist, von aller pädagogischen
Zwecksetzung und Zielbestimmung absolut fernzuhalten, desgleichen
selbstverständlich die ihr engst verwandte spekulative Philosophie.
Die Ethik ist nun zwar nichts weniger als blofse Randverzierung
zum Texte des Lebens, als blofser Abschlufs gewährender Rahmen;
sie hat es nicht mit Erfahrungs-transzendenten Dingen zu thun,
sondern steht mitten in Erfahrung und Leben drinnen, indem sie
die wechselseitigen Beziehungen der Menschen zum Gegenstande
ihrer Untersuchung und Betrachtung macht. Aber sie beschränkt
sich dabei auf eine bestimmte Gruppe von Beziehungen, nämlich
auf diejenigen, deren Mittelpunkt das Mitgefühl ist. 'Nun be-
stehen aber zweifellos aufser diesen Beziehungen noch andere,
die zwar mit denselben in Verbindung gebracht werden können
und häufig gebracht werden müssen, jedoch im wesentlichen un-
abhängig davon, teils ihnen, wie die wirtschaftlichen, rechtlichen
und politischen, nebengeordnet teils sogar ihnen übergeordnet, exi-
stieren. Das letztere ist der Fall bei den allgemein-kulturellen
Beziehungen, bei den Beziehungen, welche zwischen den Menschen
bestehen infolge der immanenten Lebensgesetzmäfsigkeit, welche
Erhaltung und Vervollkommnung der Gattung, Entwickelung und
Fortschritt zu immer höheren Zielen durch Vererbung, Anpassung,
Zuchtwahl, Variation und wieder Vererbung bedingt. Man sieht, dafs
diese Gruppe von Beziehungen allen anderen übergeordnet ist; denn
sie fafst alle anderen in sich, ist sozusagen aller anderen Grund-,
Eck- und Schlufsstein. An dieser Gruppe von Beziehungen ist
auch der innige, unmittelbare Zusammenhang mit der Biologie
aufs deutlichste wahrzunehmen; er ist hier ganz unverkennbar.
Nun läfst sich nicht leugnen, dafs aus dieser Gruppe von Be-