Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 11. Festsetzung des Erziehungszieles. 73
jenen mit allen Produktionsmitteln alle wirtschaftliclie und damit
überhaupt alle Macht, auch die politische, in die Hände zu spielen
und diese auszusaugen und zu entkräften, zu entrechten und zu
knechten, fortwährend stärker und immer stärker werdender
Succurs zuströmt, ist eine Reform der gesellschaftlichen Organi-
sation, wodurch die bestehende Misère aus der Welt geschafft
werden kann, thatsächlich nur eine Frage der Zeit. Das so ge-
schaffene neue soziale Milieu wird dann auf dem Wege der not-
wendigen Anpassung eine Änderung der Lebensgewohnheiten
herbeiführen, langsam aber sicher, auch bei denen schliefslich,
welche nur widerwillig und dem Zwange der Verhältnisse ge-
horchend den Wandel mitgemacht haben. Kommen wird derselbe
trotz aller derer, die sich ihm entgegenstemmen; denn die Not
ist der mächtigste Hebel in der Menschheitsentwickelung, sie er-
zwingt Fortschritt und Wandel der Dinge mit elementarer und
darum unwiderstehlicher Gewalt. Und dieser Wandel wird dann
auch einen solchen des gesamten öffentlichen Lebens nach sich
ziehen, wird die Gestaltung desselben in Gemäfsheit der neuen
Weltanschauung nach sich ziehen, vor allem auch auf den Ge-
bieten der Sitte, der Sittlichkeit und der Religion. Die bisherigen
Ideale werden dann Idole, die bisherigen Götter Götzen werden;
der Mensch wird dann sein Wesen in etwas anderem finden, sein
Glück in etwas anderem suchen als bisher; er wird sein Thun
von Grund aus umgestalten und sich nicht länger theoretisch nur,
sondern auch in der That völlig neuen Mächten zuwenden. Diese
radikale Wandlung bahnt sich längst schon an; sie zeigt sich
uns in unablässigem Vordringen, als lebendige Wirklichkeit in
rastloser agitatorischer und propagandistischer Arbeit, als Geistes-
kampf gegen den Konventionalismus und Traditionalismus, gegen
die konventionellen und traditionellen Ideale des öffentlichen
Lebens.
Hier ist nun auch die hohe Mission nachdrücklichst zu be-
tonen, welche die Erziehung behufs Besserung der Lage und
Umgestaltung der Verhältnisse zu erfüllen hat. Vorläufig haben
wir dieselbe nur in einer Beziehung zur Geltung zu bringen,
nämlich rücksichtlich der Formulierung des Erziehungszieles.
Ziehen wir die Quintessenz aus allem, was vorgebracht worden
ist, so ergiebt sich Folgendes. Das Ziel der Erziehung kann
nicht, wie man stets behauptet, der Religion oder der
Ethik entlehnt, sondern es mufs aus der Biologie ab-
geleitet werden. Religion und Moral sind blofs einzelne Er-