Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 11. Festsetzung des Erziehungszieles. 71
hinzuarbeiten; im zweiten Falle mufs der fehlenden Einsicht ab-
geholfen, der Mangel an Fürsorge bekämpft werden, was beides
in unserer Zeit Aufgabe der Presse ist. Sie hat, sofern es sich
um nicht genügende Fürsorge handelt, die Gründe derselben,
welche zumeist, ja fast immer in persönlicher Interessiertheit zu
finden sind, ans Licht zu ziehen und schonungslos zu brandmarken.
Sehr häufig sind alle diese Ursachen zugleich vorhanden, und
nicht selten sind sie zudem auch noch die Veranlassung jenes
zuvor erwähnten Zurückbleibens dieses oder jenes Kulturzweiges;
dasselbe ist sehr oft kein natürliches, sondern ein künstlich er-
zeugtes. Das merken wir auch gerade sehr deutlich an unseren
Rechtsverhältnissen; das tritt auch im neuen Gesetzbuche noch
klar zu Tage: dasselbe bleibt in vielen Stücken, z. B. was die
rechtliche Stellung der Frau betrifft, hinter dem zurück, was die
Gegenwart in Rücksicht auf den allgemeinen Kulturstandpunkt
fordert.
Verweilen wir jedoch noch etwas bei dem zweiten Punkte,
so verweise ich u. a. auf die Fortgeschrittenheit in moralischer
und religiöser Hinsicht bei den einen und auf die Zurückge-
bliebenheit bei den anderen Gliedern unseres Volkes. Ich gebe
gerne zu, dafs dabei auch individuellen Unterschieden eine be-
trächtliche Rolle zuzuerkennen ist; dafs höhere und niedere Be-
gabung hier in Betracht kommen. Davon abgesehen und den
normalen Durchschnitt ins Auge gefafst, bleiben doch immer noch
hinreichend grofse Differenzen bestehen. Woher rühren denn
dieselben; warum läfst man eine solche Kluft im Volke dauern,
die so sehr das gegenseitige Verständnis erschwert; warum wirkt
man nicht mit aller Macht auf ihre Beseitigung hin? Ja, man
läfst diese Kluft nicht nur bestehen, sondern man bemüht sich
sogar noch, sie immer gröfser werden zu lassen. Und die Folge
davon ist nicht nur die, dafs eben ein solcher, das ganze Volks-
leben durchziehender Rifs entsteht und bestehen bleibt und noch
fort und fort gröfser wird; sondern es wird dadurch auch die
Kultur in ihrem Fortschreiten auf der ganzen Linie gehemmt.
Denn ein derartiges Verhalten lähmt die Hauptträger des Kultur-
fortschrittes, macht sie mutlos, erzeugt jene müde und desillusio-
nierteStimmung in ihnen, die schliefslich zur vollendeten „Wurstig-
keit* führt, zur Annahme des Grundsatzes des ,laisser faire et
laisser aller." Und die Ursache alles dessen ist eben gröfsten
Teils die persönliche Interessiertheit der leitenden und führenden,
der tonangebenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, in