Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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70 I- Teil. Die pädagogisclien Grundbegriffe.
Anwendung der vorhandenen geistigen Eigenart Gerechtigkeit
widerfahren, sich dieser entsprechende Modifikationen gefallen
lassen mufs. Ich bin durchaus der Meinung, dafs jene Ge-
sellschaftsordnung und diese Staatsform die für alle Völker Europas
in einer früheren oder späteren Zukunft geeigneten sind: sie
bedeuten mir die vorläufigen idealen Ziel- und Endpunkte der
sozialen und der politischen Entwickelung der europäischen
Kulturnationen.
§.13
Aber ich wollte die Aufmerksamkeit noch auf einen anderen
Punkt hinlenken. Nicht nur, wenn wir die Menschheit im
ganzen ins Auge fassen, machen sich Kultur-Unterschiede be-
merklich; sondern es ist ferner zu beachten, dafs auch innerhalb
einer und derselben Gruppe, innerhalb des nämlichen Volkes
nicht ein gleichmäfsiger Fortschritt zu verzeichnen ist und
zwar in doppelter Hinsicht nicht. Wir beobachten nämlich ein-
mal, dals manche Zweige der Kultur mehr Pflege erfahren als
andere, manche Teile emsiger ausgebaut werden als andere.
Ferner machen wir aber auch die Erfahrung, dals nicht alle An-
gehörigen eines Volkes in gleicher Weise in allen Stücken fort-
schreiten. Und diese Erfahrung ist weit unliebsamer, macht viel
mehr Sorge als jene Wahrnehmung. Um ein Beispiel für jenes
Moment zu geben, so brauche ich blofs auf die deutschen Rechts-
verhältnisse hinzuweisen. Bis in die neuere und neueste Zeit hinein
haben wir uns teils mit im Mittelalter aufgekommenen Rechtsan-
schauungen, teils mit annektiertem römischen Rechte behelfen
müssen. Man schien gar nicht das Bedürfnis zu empfinden, hier
Hand ans Werk zu legen; man trottete gemütlich und gemächlich
im althergebrachten Schlendrian weiter. Ja, man behauptete sogar,
so der berühmte Rechtslehrer Savigny, die modernen Kulturvölker,
namentlich das deutsche Volk, seien gar nicht zu neuen Rechts-
bildungen fähig. Dafs dies ein Irrtum ist, dafür ist das neue
deutsche bürgerliche Gesetzbuch ein Gegenbeweis. Was das andere
betrifft, das Zurückbleiben gröfserer oder kleinerer Schichten eines
Volkes in der Kultur, sei es in einzelnen Zweigen derselben, sei
es in der Gesamtkultur, so kann das verschiedene Ursachen haben.
Es kann dies in den sozialen Verhältnissen begründet, es kann
aber auch die Folge mangelnder Fürsorge oder fehlender Einsicht
der Regierenden oder von beidem sein. Im ersten Falle gilt es
auf die Verbesserung der sozialen Verhältnisse mit aller Energie