Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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38 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
auch nur ähnlich zu machen. Man kann wohl die Einflüsse des
Klimas mit Hilfe der Wissenschaft abschwächen, aber niemals
gänzlich beseitigen: ein Tropenklima kann man nicht in ein ge-
mäfsigtes verwandeln. Darum schon sind alle Hoffnungen eitel,
welche man auf ein Verschwinden der bestehenden Unterschiede
zwischen den Völkern im Verlaufe der weiteren Kulturentwickelung
und Kolonisation setzt. Betrachten wir doch blofs einmal die
europäischen Kulturvölker, und vergleichen wir dieselben mit-
einander. Dieselben bilden gleichsam eine einzige grofse Völker-
familie; denn sie sind alle unter- und miteinander stammverwandt.
Sie stehen seit Jahrhunderten bereits in intimem gegenseitigen
Verkehr, und dennoch beobachten wir bei ihnen auf allen Ge-
bieten des Kulturlebens, in allen Zweigen der Kultur mannigfache
qualitative Unterschiede. Nun gar, wenn wir etwa die europä-
ischen mit aufsereuropäischen, etwa mit den ostasiatischen Kultur-
völkern in Parallele stellen, welche grofsen Unterschiede ergeben
sich da! Freilich fehlt hier die Urverwandtschaft, die ursprüngliche
Stammesgleichheit; allerdings ist der Verkehr mit diesen noch
kein von altersher bestehender. Aber dafs ein enger Verkehr
mit ihnen schon seit langer Zeit stattfindet, das ist doch nicht zu
leugnen. Gewifs haben sich infolgedessen diese Völkerschaften
schon in vielen Stücken unserer Kultur, die sie als die höher
stehende erkannten, angepafst, werden es noch in manchen anderen
thun. Aber man wird getrost behaupten dürfen, dafs eine voll-
ständige Angleichung vermutlich niemals eintreten wird, eben-
sowenig wie bei den stammverwandten, alt und eng verbun-
denen Völkern. Und ich meine, eine solche Angleichung, ein
solches Verschwinden aller Unterschiede wäre auch gar nicht das
Richtige. Ich bin sogar geneigt, dergleichen für einen grofsen
Schaden anzusehen; es wäre, nach meiner Ansicht, ein grofses
Unglück, wenn je eine derartige Nivellierung einträte. Aller
Kulturfortschritt beruht auf der Differenzierung der
Kräfte, auf der Teilung der Arbeit; das gilt für die Ge-
staltung des Lebens sowohl innerhalb der einzelnen
Völker als auch bezüglich der Menschheit im grofsen
und ganzen. Die Erfahrung lehrt, dafs in einem Volke erst
dann sich eine nennenswerte Kultur zu entfalten beginnt, wenn
die einzelnen Volksgenossen nicht mehr alles in allem, Ackerbauer,
Viehzüchter, Handwerker, Künstler, Staatsmänner und Krieger
sind; sondern wenn sie anfangen, sich in diese Geschäfte zu teilen.
Ebenso machen erst dann die Völker in der äufseren Kultur grofse