Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 11. Festsetzung des Erziehungszieles. 67
infolge mangelhaften Nahrungszuwachses nicht mehr aufkommen
lassen, bezw. im Keime zu ersticken imstande sind. Dafs eine
solche Modifikation der Lebensbedingungen auch eine Modifikation
im psycho-physischen Habitus der betreffenden Menschen innerhalb
längerer oder kürzerer Zeit hervorbringen mufs, ist klar. Also
können durch die Kolonisations-Bestrebungen der europäischen
Kulturvölker sicherlich vielfache An- und Ausgleichungen herbei-
geführt, die verschiedensten Völkerschaften vielleicht sogar auf
eine intensiv gleiche Kulturhöhe mit den Kolonisatoren gebracht
werden; aber selbst in diesem Falle werden immer grofse qualitative
Unterschiede vorhanden sein und bestehen bleiben, welche auch der
stetig immer gröfsere Dimensionen annehmende internationale Ver-
kehr nicht aus der Welt schaffen kann. Denn ein völliges Nivel-
lieren aller natürlichen, die Entwickelung beeinflussenden Faktoren
ist vorläufig ganz sicher und auch für die Zukunft höchst wahr-
scheinlich, selbst bei höchst gesteigerter Zivilisation und Be-
herrschung der Naturkräfte, ausgeschlossen. Und nun gar die
geschichtliche Entwickelung läfst sich durch nichts in der Welt
ungeschehen machen; der Einflufs der Vergangenheit auf die
jeweils lebenden Geschlechter ist abschwächbar, aber durchaus un-
ausrottbar: die Vererbung bildet ein Band, das niemals
reifst, eine Kette, die niemals bricht. Eine Änderung des
gegebenen Milieus, soweit eine solche möglich ist, kann eine all-
mähliche psycho - physische Anpassung bedingen, welche nach
Generationen eine fixierbare Varietät zur Folge hat, wenn nämlich
die Modifikation weit genug fortgeschritten und hinreichend tief-
gehend geworden ist, um eine wirkliche generelle Keimes-Variation
zu veranlassen. Auf diese Weise schiebt sich dann zwar in die
Kette der Vererbung ein neues Glied ein; aber dasselbe steht
doch in engster Verbindung mit den schon vorhandenen. Der
Stammes-Charakter, der Volks-Typus erfährt schliefslich eine
Abänderung, einen Wandel; aber derselbe ist nicht absolut,
sondern nur relativ: er ist in seiner Weite durch die Vergangen-
heit bedingt.
Vor allen Dingen ist aber daran festzuhalten, dafs die natür-
lichen Lebensbedingungen der verschiedenen Menschheits-Gruppen
nicht einander durchaus gleich gemacht werden können: so
wenig man ein von Natur unfruchtbares Land in ein fruchtbares,
ein an natürlichen mineralischen Schätzen Mangel leidendes in
ein daran Uberflufs habendes verwandeln kann, ebensowenig ist
daran zu denken, das Klima überall auf der Erde gleich oder