Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: http://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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66 I- Teil. Die pädagogischen GrundbegriflFe.
kinder bis zum Pubertätsalter in ihrer geistigen Entwickelung den
weifsen durchaus nicht nachstehen, ja, nach Hamilton Smith,
sollen sie dieselben sogar überflügeln. Von den afrikanischen
Fantis berichtet Lord Wolseley, dafs bei ihnen die Knaben viel
geweckter, klüger und anstelliger als die Männer seien; einem
Knaben könne man alles beibringen — aber nur bis zur Zeit der
Pubertät; von da an werde er alle Tage nichtsnutziger und all-
mählich immer stumpfer, dümmer und fauler. Dergleichen gilt
übrigens nicht blofs von den Negerkindern, sondern ist vielmehr
bei primitiven Völkern in allen Teilen der Welt beobachtet worden,
z. B. auch bei den gelben Rassen. In seiner Studie über die
Kambodschen sagt Leclère von deren Kindern, dafs sie sehr
intelligent sind, aber mit 15 Jahren stehen bleiben und weniger
aktiv werden. Es senkt sich dann, während ihre Gesichtszüge
gleichzeitig weniger schön und regelmäfsig werden, als sie vordem
waren, eine gewifse Verfinsterung, „un peu de nuit", wie der
Verfasser sagt, auf ihre Seele herab. Ganz dasselbe hat man
auch bei den Schulkindern auf den Sandwich-Inseln, bei den
Nubiern und Ägyptern wahrgenommen.
Aus solchen Angaben erhellt, dafs, wenn auch die Entwicke-
lungsfähigkeit aller Stämme der Erde in t h e s i zugegeben
werden kann, dieselbe de facto vielfach illusorisch gemacht wird,
eben durch die Einwirkungen natürlicher und geschichtlicher
Faktoren : diese Faktoren setzen der Entwickelungsfähigkeit
Grenzen, über welche die betreffenden Völker von sich selbst aus
nicht hinwegzukommen vermögen. Als absolut unverrückbar
können diese Grenzen allerdings nicht betrachtet werden, wenig-
stens nicht in ihrem ganzen Umfange. So sind die sozialen und
kulturellen Verhältnisse änderbar durch Eingriffe von aufsen her,
natürlich nur in sehr langsamem und ganz allmählichem Aufstieg
und blofs soweit, als die äufseren, die natürlichen Verhältnisse
das zulassen. Aber auch diese sind nicht unbedingt unveränder-
lich; sie lassen sich mit Hilfe von Mitteln, die eine hochent-
wickelte Zivilisation an die Hand giebt, modifizieren, selbst-
verständlich nur bis zu einem gewissen Grade. So wird man
natürlich niemals eine öde und unfruchtbare Steppenlandschaft in
ein fruchtbares Gefilde umwandeln können; aber die Zivilisation
vermag es, der Steppe den Charakter des Unwirtlichen zu nehmen
und den Steppenbewohnern den Kampf ums Dasein zu erleichtern,
durch den Bau von Eisenbahnen, überhaupt durch Schaffung
von Verkehrswegen und -mittein, welche z. B. eine Hungersnot